Das Taxi am nächsten Morgen ist inoffiziell und stammt aus Deutschland. Ein Handwerkerbus mit selbstgezimmerten Bänken rechts und links.
Unser Gepäck - je ein Rucksack, darin die persönlichen Dinge, Zelt, Schlafsack, Matte und aufgeteilt das Essen für unsere Zweitagestour. Taras ist nur eine Spindel. Er trägt sein Bollwerk von Rucksack mit Leichtigkeit.
Der Fahrer -mustergültig, pünktlich - fährt umsichtig. Alle Preise werden ukrainisch ausgemacht. Für uns gäbe es hier andere Preise. Abholen am nächsten Abend - 18.00 Uhr irgendwo am Straßenrand wird vereinbart.
Abenteuer, wir kommen! Am Eingang zum Nationalpark heißt uns ein Schild willkommen und ein Vodka-Aufseher will uns abzocken. Wir schweigen freundlich und die ukrainischen Verhandlungen verlaufen für ihn negativ. Wir folgen dem Wildwasser aufwärts. Es geht sich leicht bis zur Stelle "Fluss frißt Weg".
Zum Wasserfall kommen wir noch, danach fehlt jeder Weg, dafür 200 m senkrecht aufwärts.
"Schwerverletzt und keine DAV-Infrastruktur", war zwar nur ein Gedanke - aber belastend.
Über die Höhe, quer durch den Wald geht es besser. Wir finden eine Lichtung, wollen hier campieren. Schwärmen aus, um eine Quelle zu suchen.
Etwas abseits von einem kleinen Bach finden wir Lagerstellen auf Tannennadeln und Moos. Feuerholz gibt es reichlich und trocken. Kuhgeläut. Wir unterbrechen, den Zeltaufbau, wollen unerkannt bleiben. Die Hirten haben leider Hunde. Schnell sind wir entdeckt und vom Senn eingeladen. Besser nicht. Er hat Vodka im Blick.
Abends und morgens gibt es warmes Essen. Porridge in verschiedenen Varianten mit Buchweizen, Reis, Dosenfleisch, Fisch,... Jeder ißt sein Schälchen leer. Daheim würde ich so was nicht essen - schon gar nicht Fischbrei morgens um 6.00 h.
Wir trinken Kaffee und Tee und essen Süßigkeiten. Wenn die Kälte kommt kriechen wir in unsere Schlafsäcke. Alles gut verstaut. Viele Schichten an -alles was der Rucksack hergibt. Der Schlafsack ist zu dünn. Jetzt hilft die Erkenntnis nichts.
Morgens um 6.00 h Feuer an - Frühstück, Zelt abbauen. Abmarsch zwischen 8.00 h und 9.00 h sollte leicht werden - wird's aber nicht.
Ich finde ein Kunstwerk der Natur: ein aus zwei Wurzeln gewachsenes Kreuz. Nomen est Omen- der Tag wird mein Kreuzweg. Stundenlang stark verblocktes Gelände liegt vor uns. "Wie ich das liebe!"
Station 11: mein Bergschuh löst sich auf. Wir bandagieren ihn notdürftig.
Station 12: Sohle löst sich ganz ab. Gut, dass ich die Laufschuhe im Rucksack habe.
Carpathians mountains are hard!
Meine Schuhe überlebten mehrfach den Himalaja, oft die Alpen. Die Karpaten geben ihnen den Rest. Endlich normale Wege.
Station 13: tierischer Schmerz in der Wade. Ich schreie. Sekunden später schreit Helmut. Kein Bär, kein Wolf, aber wilde Bienen. Bienen, die tierisch stechen. Den Schmerz habe ich noch tagelang.
Station 14: im rechten Ersatzschuh laufe ich mir eine Blase.
Hängebrücke überqueren und schon kommt unser Taxi. Trotz ungeplanter Schwierigkeiten! Eine Punktlandung um 18.00 h. Irgendwie klappt es immer.
Felsblöcke habe ich genug für dieses Jahr.
Abends die "Dusche" ist Luxus. In der "Waschküche" stehend schütte ich mir heißes Wasser über - immer wieder, bis meine Haare schäumen und ich den Geruch von Schweiß und Feuer verliere. Der Nächste bitte. Bis zum Essen sind alle geduscht. Unser Appetit ist riesig. Keine Reste.