Verein startet Hilfe zur Selbtshilfe

Der Eicher Verein "Kinder von Tschernobyl" hat eine neue Strategie des Helfens für die Tausenden von Opfern der Tschernobyl-Katatstrophe des Jahres 1986 entwickelt. Statt wie bisher lediglich Hilfsgütertransporte in die Ukraine zu schicken, soll jetzt den Menschen geholfen werden, sich selbst ein wirtschaftliches Standbein zu schaffen.

Rolf Konersmann

Von Jockel Kohlmann

"Hilfe zur Selbsthilfe" bezeichnet Vereinsvorsitzender Rolf Konersmann diese Strategie und er ist zuversichtlich, dass damit schon bald erste Erfolge erzielt werden können. Noch immer erhalten die Tschernobyl-Hilfsorganisationen in der Ukraine keine staatlichen Zuwendungen und sind allesamt aus Spenden aus dem westlichen Europa angewiesen. In den zurückliegenden Jahren wurde festgestellt, dass die Menschen in der Ukraine verstärkt an Venenerkrankungen leiden. Da das Gesundheitswesen in der Ukraine immer noch staatlich gelenkt ist und jetzt zaghaft erste private Kliniken und Praxen öffnen, sieht Konersmann hier eine wirtschaftliche Chance für die Menschen. Der Eicher Verein konnte den renommierten Frankfurter Arzt Dr.Michael Spiegel gewinnen, der als Experte auf dem Gebiet der Venenerkrankungen gilt. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat Spiegel bereits Dutzende von Ärzte in diesem medizinischen Bereich der Angynologie ausgebildet. Jetzt will Konersmann in der ukrainische Partnerorganisation seines Vereins einen Stützpunkt aufbauen, in dem Rehatechnische Geräte für Venenerkrankte Menschen verkauft werden sollen. Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren sollen aber nicht nur verkauft, sondern auch vermietet werden können. Damit könne, so Konersmann, eine Versorgungslücke in der Ukraine bei der Versorgung von altersschwachen und invaliditätsgeschwächten Menschen geschaffen werden. Zur Umsetzung dieses Konzeptes konnte der Verein bereis ein Fachunternehmen aus dem rheinhessischen Ober-Flörsheim gewinnen. Der ukrainische Konsul Mykola Katschanow hat jetzt bei einem Zusammentreffen mit Konersmann und Spiegel die volle Unterstützung seines Frankfurter Konsulates zugesagt.Katschanow:" Die Ukraine wird dieses Projekt nach Kräften unterstützen und ich zweifle auch nicht am Erfolg".

Bei der Zusammenkunft hob Konersmann hervor, dass in den 15 Jahren seit Bestehens des Eicher Vereins Sachspenden in zweistelliger Millionenhöhe in die Ukraine gebracht wurden.In der kommenden Woche starte von Eich aus der inzwischen 71. Hilfsgütertransport mit medizinischen Geräten, Lebensmitteln und Kleidung im Wert von über 100 000 Euro in die ukarainische Hauptstadt. Von Juli bis August werden 120 Kinder und Familien aus der Ukraine zu Erholungsaufenthalten in den Wonnegau zu Gastfamilien eingeladen. Im Gegenzug sind vor einer Woche Familien aus Rheinhessen zu einem Gastbesuch in die Ukraine aufgebrochen. Am 11.August findet für die Tschernobyl-Kinder in der Eicher Rheinpromenade ein Kinderfest statt.Mit dem aus Gimbsheim stammenden Hamburger HCI-Vorstand Harald Christ vereinbarte Konersmann in der Vorwoche, dass HCI in diesem Sommer erneut zwei ukrainische Wirtschaftsstudenten zu einem Praktikum nach Hamburg einlädt. Auch auf diesem Gebit sieht Konersmann das eingeschlagene Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe bereits umgesetzt.

Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz

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