Horst-Engelhardt-Stiftung spendet fünfstelligen Betrag

Der Eicher Verein "Kinder von Tschernobyl" wird gemeinsam mit dem Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, in der Ukraine ein gemeinsames Projekt auf den Weg bringen, bei dem junge Menschen den Beruf des Orthopäden erlernen können. Den Grundstein dafür legte jetzt die Mannheimer Horst-Engelhardt-Stiftung, die dem Eicher Verein einen fünfstelligen Betrag spendete

Von Jockel Kohlmann

Von Stiftungsgründers Horst Engelhardt durften Rolf Konersmann und Rupert Neudeck jeweils fünfstellige Spendenbeträge in Empfang nehmen Aus den Händen des Stiftungsgründers Horst Engelhardt (4.v.rechts) durften Rolf Konersmann (links) und Rupert Neudeck (3.v.rechts) jeweils fünfstellige Spendenbeträge in Empfang nehmen.

"Wir wollen dieses Geld einsetzen, um nicht nur Arbeitsplätze in der Ukraine zu schaffen, sondern um Kindern helfen zu können", so Konersmann. Vieles, was im Erwachsenenalter zu bleibenden orthopädischen Problemen werden könne, lasse sich bei einem Kind noch richten oder begradigen. In der Operationsverhütung liege ohnehin eine der Hauptaufgaben der Orthopäden:Krankheitsbilder früh genug erfassen und so zu behandeln, dass eine Oparion nicht notwendig werde, so Konersmann.

Rupert Neudeck hatte zusammen mit dem Schriftsteller Heinrich Böll das Komitee "Cap Anamur" gegründet und mit einem Schiff in den 80er Jahren 10.375 vietnamesische "Boat People" im Meer aufgenommen und nach Deutschland gebracht. Inzwischen leitet Neudeck das internationale Friedenskorps "Grünhelme e.V". Aus der Engelhardt-Stiftung darf Neudeck im kommenden Jahr immerhin 30.000 Euro in zerstörte Gebiete des Gaza-Streifens bringen, um am Neuaufbau von Schulen und Kliniken mitzuwirken. Ein wichtiges Anliegen ist Neudeck jedoch die Hilfe für die Ukraine und mit dem Eicher Verein stehe ein verlässlicher Partner zur Seite, betonte Neudeck bei einer Feierstunde der Engelhardt-Stiftung in Mannheim. Konersmann sagte bei dem Festakt, dass durch die in der Ukraine gefertigten Prothesen Menschen geholfen werden könne, denen Gliedmaßen fehlen. Ein weiterer Teil der großzügigen Spende soll dem Kind eines ehemaligen Tschernobyl-Arbeiters zukommen, dem jetzt eine Niere transplantiert werden muss. Mit dem Spendengeld sollen die Krankenhauskosten bezahlt werden. Weiter will der Verein im kommenden Jahr wieder ein Waisenhaus am Schwarzen Meer unterstützen und es sollen Kinder wieder einen Erholungsaufenthalt bei Ferieneltern im Wonnegau verbringen können. Alleine schon diese Maßnahmen, so Konersmann, werden die Spendengelder aufzehren. Die Hilfe für die Ukraine betrachtet Konersmann als "Leuchtturm der Hoffnung", um Licht ins Dunkel eines Landes zu bringen, das leider immer noch nicht seinen Platz in Europa gefunden habe. Aus unzähligen Begegnungen wisse er, wie sehr die einst aus der Region Tschernobyl evakuierten Menschen die Hilfe aus Deutschland zu schätzen wüssten. Zigtausende Euro fließen aus dem Eicher Verein alle Jahre in die noch weithin belastete Tschernobyl-Region. Immer wieder schickt der Verein Konvois mit Medikamenten und Nahrungsmitteln auf den 1.900 Kilometer langen Weg in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Dass die Hilfe direkt bei den Betroffenen ankommt, dass nichts abfließt in falsche Kanäle, dafür sorgen in Kiew die Partner des Eicher Vereins. Konersmann erinnerte in Mannheim an das immer noch um sich greifende Leid der jetzt 20 Jahre zurückliegenden Atom-Katatsrophe. Da ist die kleine Geigerin, die im vergangenen Jahr bei der Feierstunde der Stiftung noch in Mannheim spielte, und nun nicht mehr lebt. Noch einmal umarmen und auf ein Wunder hoffen, war stets der Gedanke, dem auch die Tat folgte: Rolf Konersmann hört nicht auf, mit warmen Händen aus vollem Herzen zu helfen, "denn wo Not und Gefahr sind, wächst das Rettende auch" sagt er und darf einen langen Händedruck von Rupert Neudeck spüren.

Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz

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