Gerade durch die in Eich initiierten jährlichen Erholungsaufenthalte für Kinder aus der Region Tschernobyl seien inzwischen die Kinder aus der Ukraine zu "Botschaftern der Völkerverständigung" geworden. Die Staassekretärin führte aus, dass es leider unterschiedliche Statistiken über die tatsächlichen Todesfälle der Katastrophe aus dem Jahr 1986 gebe. Inzwischen müsse aber davon ausgegangen werden, dass diese Tragödie mindestens 500 000 Menschen das Leben gekostet habe. Fakt sei, dass mehr als 350 000 Menschen nach dem Unglück umgesiedelt worden sind. Diesen Menschen gelte es, weiterhin Hilfe zu leisten. Der Eicher Verein leiste seit vielen Jahren direkte Hilfe für diese Umsiedler und es sei zu erwarten, dass auch noch in den nächsten Jahrzehnten dringende Hilfe für diese Menschen erforderlich sei.
Der Vorsitzende Rolf Konersmann vom Eicher Verein sagte, die Katastrophe von Tschernobyl habe die Menschen globalisiert. Konersmann zeigte sich erfreut darüber, dass aus Deutschland inzwischen 130 Millionen Euro an direkter Hilfe in die Ukraine geflossen seien. Deutschland sei damit in der Welt das größte Geberland. Dies werde von den Menschen in der Ukraine sehr wohl anerkannt. Auch der Eicher Verein werde weiter mit seinen zur Verfügung stehenden Mitteln weiter Hilfe leisten. Für die kommenden Jahre gelte es, Vorsorgeprogramme für die Strahlenopfer zu entwickeln. Tschernobyl, so Konersmann, sei "eine stille Katastrophe, deren Ende noch nicht abzusehen ist".
Bei einem anschließenden Symposium im Reichstag wies die stellvertretende SPD-Vorsitzende Bärbel Dieckmann darauf hin, dass lediglich 31 Länder in der Welt die Atomkraft nutzen. Auch die Mehrheit der Länder in der Europäischen Union betreibe keine Atomkraftwerke, oder sei bereits im Ausstieg. Weder der Mensch, noch die Technik seien unfehlbar. Zudem mache Atomkraft erpressbar und sei demokratiefeindlich, denn nächste Generationen müssten Entscheidungen auch wieder rückgängig machen können. Dietrich von Bodelschwingh vom Verein "Heim-statt Tschernobyl e.V." bezeichnete die Katastrophe des Jahres 1986 als "Geburtsstunde zur Energiewende". Atomkraft sei weder sicher noch sauber. Letztlich habe die Tragödie von Tschernobyl aber auch den Zusammenbruch der damaligen Sowjetunion verursacht. Zum 20. Jahrestag des Unglücks bleibe festzuhalten, dass die Konsequenz nur lauten könne, der Ukraine weiter Hilfe zu leisten. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Hagemann ließ es sich nicht nehmen, die Eicher Gäste zu begrüßen und sagte, dass unter Regie von Rolf Konersmann eine Hilfsorganisation ins Leben gerufen worden sei, die inzwischen weiter über Rheinland-Pfalz hinaus Respekt und Anerkennung gefunden habe. -jk-
Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz