Von Jockel Kohlmann
Eine Woche lang weilte eine zwanzigköpfige Delegation des Kreisverbandes der Jungen Union im Rahmen einer politischen Bildungsreise in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Am Ende vertrat der JU-Kreisvorsitzende Jan Metzler die Auffasung, dass Politik und Wirtschaft in Deutschland alles tun müsse, um die Ukraine auf ihrem Weg nach Europa zu unterstützen.
In enger Kooperation mit dem Eicher Verein "Kinder von Tschernobyl" hatte dessen Vorsitzender Rolf Konersmann (Eich) ein umfangreiches Besuchsprogramm für die CDU-Nachwuchspolitiker zusammengestellt. Gleich am ersten Besuchstag wurde deshalb der Partnerorganisation des Eicher Vereins in Kiew ein Besuch abgestattet. Dort wurden die Gäste aus Rheinhessen von der Folkloregruppe "Tscherwona Kalina" und dem Bezirksbürgermeister dieses Kiewer Bezirks begrüßt. Nicht fehlen durfte natürlich ein Besuch im großen Tschernobyl-Museum, das eindrucksvoll die Geschehnisse der Atomkatatstrophe vom April 1986 zeigt. So lag es auch auf der Hand, dass die Gruppe eine Reise in ein 80 Kilometer südlich von Kiew gelegenes Dorf unternahm, wo heute über 500 Menschen leben, die im Jahr 1986 dorthin evakuiert wurden. In Marjaniwka leiden heute noch die 1986 evakuierten Kinder an den Spätfolgen der verschiedenen Strahlenkrankheiten. Im Dorf Marjaniwka gab es in der Schule einen Empfang, wo der Bürgermeister und der Schulleiter mit großer Dankbarkeit über die aus Eich geleistete humanitäre Hilfe berichteten.
Gute Nachrichten hatte Vorsitzender Rolf Konersmann mitgebracht. Schulleiter Hans-Walter Reinhardt von der Osthofener Realschule zeigt großes Interesse an einer künftigen Partnerschaft seiner Schule mit der Dorfschule in Marjaniwka. Noch in diesem Jahr, so Konersmann, sollen entsprechende Schritte in die Wege geleitet werden. Auch die Junge Union sagte spontan Hilfe für die Schule in Marjaniwka zu, denn dort möchten die Lehrer gerne einen Computerraum einrichten. Jan Metzler und Vorstandsmitglied Andreas Kerz sowie der Wörrstädter Verbandsbürgermeister Markus Conrath wollen durch Sachspenden diesen Wunsch von Schülern und Lehrer erfüllen helfen.
Fast zwei Stunden Zeit nahm sich der stellvertretende deutsche Botschafter Johannes Regenbrecht bei einem Empfang in der Botschaft in Kiew für die rheinhessischen Gäste. Auch dort bekamen die Nachwuchspolitiker zu hören, dass sich die Ukraine zu Europa und damit zur Westintegration bekenne. In der Diskussion nicht ausgeklammert wurde die so genannte "Visa-Affaire".
Die stellvertretende Kiewer Oberbürgermeisterin Tatjana Melichowa hatte zu einem Empfang in das Rathaus eingeladen und dort wurde mit den Gästen über den Aufbau der neuen Infrastruktur in der Hauptstadt diskutiert. Empfangen wurde die Gruppe ebenfalls von Dr. Boris Tudorov, dem einzigen Herzchirurgen der Ukraine in der Kardiologie der Uni-Klinik in Kiew. Dort wurden die Besucher mit dem noch immer schlechten Gesundheitswesen der Ukraine konfrontiert. Ärzte verdienen in der Ukraine im Monat umgerechnet 70 Euro und auch in der Klinik fehlt es an modernem medizinischen Gerät. Tiefe Eindrücke hinterließ ein Besuch in der Schewtschenko-Universität, wo 20.000 junge Menschen in ukrainischen Fakultäten studieren, die sich auf einem sehr hohen Entwicklungsstand befinden. Im Kiewer Sportpalast wurde ein Rockveranstaltung besucht, ebenso wurde ein Ausflug in ein Freilichtmuseum unternommen.
Am Ende waren sich alle einig, dass dies nicht der letzte Besuch in Kiew war, denn trotz des eng gefassten Besuchsprogramms wurden auch erste freundschaftliche Kontakte geknüpft.
Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz