"Die Menschen sind nicht vergessen"

Fernsehteams aus der Ukraine drehen Beitrag über den Eicher Verein "Kinder von Tschernobyl"

jk. EICH

Vier ukrainische Fernsehteams, Journalisten staatlicher und privater Rundfunksender sowie Chefredakteure angesehener Tageszeitungen und Reporter des ARD-Studios Kiew verursachten am Mittwoch Nachmittag im großen Sitzungssaal der Eicher VG-Verwaltung einen kleinen "Medienrummel". Dieser galt einzig dem rund 170 Mitglieder zählenden Eicher Verein "Kinder von Tschernobyl".

Die Journalisten waren aus dem 1900 Kilometer entfernten Kiew angereist, um über die Hilfe aus Deutschland für die Opfer der Katastrophe von Tschernobyl zu berichten. Da im Vorjahr der Eicher Verein bei der Uno in die Liste der anerkannten Hilfsorganisationen aufgenommen wurde, gerieten die Eicher jetzt in den Focus des Interesses bei den ukrainischen Medien. Vorsitzender Rolf Konersmann freute sich darüber, dass in der Eicher VG-Verwaltung ein Empfang ermöglicht wurde. Auch dadurch werde deutlich, dass vor Ort die Arbeit seines Vereins honoriert werde.

Verbandsbürgermeister Gerhard Kiefer (SPD) betonte in seinem Grußwort, dass die Reaktorkatastrophe zwar weitestgehend aus den Medien in Deutschland verschwunden sei, aber vergessen seien die Menschen in der Ukraine nicht. Dies belege nicht zuletzt die Arbeit des Eicher Vereins.

Stolz seien die Bürger in der VG Eich darauf, dass der Hilfsverein bei der Uno einen so hohen Stellenwert eingeräumt bekommen habe. Mehr als 60 Hilfsgütertransporte, weit über tausend ukrainische Kinder, die zu Erholungsaufenthalten an den Rhein gekommen waren, seien der beste Beweis dafür, "dass hier bei uns aktive Hilfe geleistet wird".

Geschäftsführer Jockel Kohlmann vom Verkehrsverein der VG Eich bezeichnete die Arbeit des Vereins als wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung. Nicht zuletzt habe sich die Ukraine durch ihre "orangene Revolution" im vergangenen Winter "nach Europa aufgemacht und unumkehrbare Signale gesetzt". Eichs Bürgermeister Klaus Willius (SPD) stellte die grundsätzliche Bereitschaft der Eicher heraus, bei Hilfsaktionen nicht außen vor zu bleiben. Der Tschernobyl-Verein habe "unter Beweis gestellt, dass Hilfe geleistet werden kann, wenn Menschen an ihre Sache glauben".

Fernsehjournalistin Swetlana Loschkarjowa wollte von Rolf Konersmann wissen, wie es mit den Hilfslieferungen in der Zukunft aussehen wird. Konersmann sagte dazu, dass im kommenden April zum 20. Jahrestag der Katastrophe die Ukraine "eine zweite Chance hat, der Weltöffentlichkeit die ungeschminkten Zahlen über das wahre Ausmaß dieser Tragödie bekannt zu geben". Die Zahl der Menschen, die unter den Strahlenschäden leiden, bezifferte er mit einer Million. Gerade dies betrachte sein Verein als Herausforderung, bei der Hilfe nicht nachzulassen.

Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz

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