Mitgliederversammlung 2017 Bericht des 1. Vorsitzenden

 

Das Jahr 2016 war geprägt von zwei Gedenktagen, die die Welt veränderten:

 

  1. Am 26. April 1986 trat der bis dahin unvorstellbare Super-GAU ein. In Block 4 des Kraftwerks Tschernobyl kam es zu einer vollständigen Kernschmelze. Durch die daraus folgenden Explosionen wurde radioaktives Material in die Luft gestoßen und vom Wind vor allem nach Norden sowie Westen transportiert und regnete ab. Deshalb wurden Gebiete in der nördlichen Ukraine, in Weissrussland und im Westen Russlands vom radioaktiven Fallout am stärksten betroffen.

30 Jahre nach Tschernobyl kann man heute von einer fast vergessenen Katastrophe sprechen.

 

  1. Im Jahre 1991 löste sich die UdSSR auf. Die ehemaligen Mitgliedsstaaten wurden selbstständige Republiken und so erklärte am 28. August 1991 auch die Ukraine ihre staatliche Unabhängigkeit.

 

Für unseren Verein war es ein ereignisreiches Jahr:

So wurde S.O.S.´86 - Kinder von Tschernobyl e.V. nach Kiew zu den 30-jährigen Gedenkfeierlichkeiten eingeladen. Diese fanden in dem von uns betreuten Stadtbezirk in Kiew statt. Ich habe im April an den Feierlichkeiten teilgenommen und hatte die Gelegenheit, vor mehr als 1.000 Teilnehmern am Ehrenmal im Park vor dem Bezirksrathaus über unsere langjährigen Hilfsmaßnahmen berichten zu dürfen.

Für die Schüler und Schülerinnen war der Wettbewerb "Rettet unseren Planeten" ausgeschrieben. Hier wurden die besten Zeichnungen jahrgangsweise im Theater des Bezirksrathauses prämiert und die Preise von der stv. Bezirksbürgermeisterin und mir an die Preisträger übergeben. 

Ein emotionaler Abend fand dann in den Räumlichkeiten unserer Partnerorganisation statt. Hier hatte ich Gelegenheit, mit sechzig Ukrainern zu reden, die in Pripjat, der Kraftwerkerstadt neben dem Kraftwerk, die Reaktorkatastrophe miterlebt hatten und anschliessend ihre Wohnungen verlassen mussten und nach Kiew evakuiert wurden. Es wurde ein alter Film aus Pripjat vor der Katastrophe gezeigt, in dem sich so mancher selbst oder seine damalige Wohnung vor über dreissig Jahren wiedererkannt hat. Auch jetzt noch flossen viele Tränen und gemeinsam gesungene schwermütige Lieder erklangen.

 

Im Jahre 2016 nahm unser Verein an einem Förderprogramm des Auswärtigen Amtes teil. Auch in diesem Jahr warf die deutsche Kultur- und Bildungspolitik ein besonderes Augenmerk auf Osteuropa, denn mit dem Ukrainekonflikt ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt. Unsere Bundesregierung reagierte und reagiert hierauf mit politischen Instrumenten, aber auch mit den Mitteln der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, denn politische Verständigung und Krisenvorbeugung gelingt nur, wenn kulturelle Arbeit im vorpolitischen Raum vorab den Boden dafür bereitet hat. So setzt unsere Regierung darauf, dass neben der vom Staat gestalteten Außenpolitik die Einbindung der Zivilgesellschaften im In- und Ausland für außenpolitische Dialog-, Entscheidungs- und Handlungsprozesse immer wichtiger wird. Das bedeutet, dass Organisationen der Zivilgesellschaften, wie z.B. unser Verein, und die in den Organisationen engagierten Bürger und Bürgerinnen zentrale Akteure und wichtige Partner für staatliches Handeln werden.

 

Bereits im Spätjahr 2015 hatte ich mir Gedanken gemacht, wie "S.O.S.´86 -  Kinder von Tschernobyl e.V." sich an dem Projekt "Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der östlichen Partnerschaft und Russland" beteiligen kann. Mir schwebte ein Projekt vor, in dem durch den Dialog mit den Bürgern der Ukraine Vorurteile abgebaut werden können. Als Zielgruppen habe ich die junge, aber auch die ältere Generation gesehen, und so entstand ein zweiteiliges Projekt:

  1. Gründung eines "Deutschen Zentrums" im Bezirk Kiew-Desnyanski,

dem Bezirk, in dem wir seit 1992 Familien unterstützen, die von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen sind. Für die Dauer der Projektphase wurden Räumlichkeiten (Schulungsraum und Büro) angemietet, Deutschunterricht für Jugendliche angeboten und Veranstaltungen mit Ukrainern durchgeführt.

     2. Dialogveranstalungsreihe mit Studenten und Professoren

Es wurde eine Dialogveranstaltungsreihe mit Studenten und Professoren der größten ukrainischen Universität ins Leben gerufen und in drei Veranstaltungen mit über 120 Studenten über Demokratie und Wirtschaft, Mittelstand und Chancen auf dem Arbeitsmarkt usw. intensiv diskutiert. Im Vorfeld hatte ich unser Projekt dem Dekan der Universität vorgestellt, der sehr aufgeschlossen und dankbar dem Projekt zustimmte. Als Moderator konnte ich unseren Ehrenvorsitzenden Harald Christ gewinnen, Co-Moderator war ich.

Die Resonanz für beide Projektteile war sehr positiv. Leider war der Projektzeitraum vom 1. April 2017 bis zum 31. Dezember 2017 m.E. viel zu kurz bemessen und einer von mir beantragten Verlängerung wurde vom Auswärtigen Amt nicht zugestimmt.

Leider werden diese Projekte nicht zu 100 % gefördert. So waren als Eigenmittel des Vereines 5.690,00 EUR eingeplant. Durch Spenden unseres Ehrenvorsitzenden Harald Christ in Höhe von 2.942,85 EUR und mir in Höhe von 1.080,00 EUR konnte dann der Eigenanteil des Vereines auf 1.667,15 EUR gesenkt werden.

 

Im Jahre 2016 wurden wiederum zwei Informationsfahrten nach Kiew durchgeführt. Diese Fahrten sind wichtig, um den engen Kontakt zu unserer Partnerorganisation "Invaliden von Tschernobyl - Landsleute (Zemlyaki)" und den ukrainischen Behörden aufrecht zu erhalten und um die ordnungsgemäße Verwendung der an die Partnerorganisation gespendeten Finanzmittel zu überprüfen.

Leider hat aber das Interesse an diesen Fahrten nachgelassen, so dass in den letzten Jahren immer nur eine kleine Gruppe eine Woche in Kiew verbracht hat.

Wie bereits in meinem Jahresbericht 2015 aufgeführt, werden die an unsere Partnerorganisation gespendeten Gelder verwendet für:

  • Medikamente für schwerkranke Kinder und Erwachsene;
  • Unterstützung von Dialysepatienten;
  • Kindererholungsmaßnahmen in der Ukraine für schwerkranke Kinder;
  • Finanzielle Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für schwerbehinderte Jugendliche in Kiew-Desnyanski;
  • Durchführung von Kinderfesten;
  • Unterstützung der Partnerorganisation

 

Auch eine Kindererholungsmaßnahme in Deutschland wurde in 2016 wieder durchgeführt. Auch für diese Aktivität unseres Vereines finden sich leider immer weniger Gasteltern, so dass wir seit 2013 dazu übergegangen sind, auch 14-tägige Erholungsmaßnahmen in der Ukraine zu unterstützen. Diese Maßnahmen sind gedacht für behinderte Kinder, die nur in Begleitung von Betreuern zur Erholung geschickt werden können.

In 2016 haben wir vier Kindern und in 2017 zehn Kindern einen Erholungsurlaub finanziert.

 

Wie bereits erwähnt, feierte die Ukraine im Jahre 2016 ihre staatliche Unabhängigkeit. Zur Feier des 25. Jahrestages der Unabhängigkeit hatte die Generalkonsulin der Ukraine, Frau Alla Polyova, am 19.09.2016 nach Frankfurt eingeladen. In einem längeren persönlichen Gespräch bat mich die Generalkonsulin, Vorstand, Mitgliedern und Freunden unseres Vereines ihren Dank zu übermitteln für die vom Verein jahrzehntelang getätigte Hilfe für bedürftige Bürger der Ukraine.

 

Ende 2016 starb überraschend Markus Heck, der seit über 15 Jahren unsere Internetseite bearbeitete. Ich war sehr froh, dass er dieses mit großer Energie selbstständig tat, sich um den Provider kümmerte und mir Verbesserungsvorschläge unterbreitete. Leider kündigte sein Stiefvater - ohne uns zu verständigen - den Vertrag mit dem Provider, was dazu führte, dass unsere Internetseite gelöscht wurde. Bis ich recherchiert hatte, wie es zu der Kündigung kam und wer als Provider tätig war, waren vier Wochen vergangen und unsere Internetseite und deren Inhalte unwiederbringlich verloren. Aus diesem Grunde wurde es notwendig, eine neue Internetseite zu erarbeiten. Mit dieser Arbeit beschäftige ich mich zurzeit, und das ist für einen Laien nicht so einfach. Aus diesem Grunde bitte ich Sie noch um etwas Geduld, bis alle Inhalte wieder erstellt sind.

 

Leider konnte die Horst und Eva-Engelhardt-Stiftung aus Mannheim auch im Jahre 2016 keine Spenden ausschütten, die unser Verein zur Fortführung seiner Tätigkeit dringend benötigt. Ich hoffe aber, dass wir im Jahre 2017 wieder mit einer finanziellen Unterstützung rechnen können.

 

Nun noch einige aktuelle Informationen zur Ukraine:

In der Ukraine leben zurzeit 42,4 Mio. Bürger, im Jahr 1991 waren es 48,5 Mio. Die normalen ukrainischen Durchschnittslöhne sind den Angaben des ukrainischen Statistikamtes zufolge im Juni 2017 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2.023 auf 7.360 Hrywna gestiegen. Umgerechnet in Euro verdienten die Ukrainer damit durchschnittlich mit 248 Euro etwa 54 Euro mehr als vor einem Jahr. Nach Abzug der Einkommensteuer von 18 % und der Kriegsabgabe von 1,5 % verbleiben netto im Schnitt 200 Euro.

Regional betrachtet haben die Einwohner der Hauptstadt Kiew die höchsten Einkommen mit fast 374 Euro. Armenhaus ist der Statistik zufolge das agrarisch geprägte zentralukrainische Gebiet Kirowograd mit etwas weniger als 200 Euro. Nach Abzug der Steuern verbleiben damit etwa 87 Euro zum Leben.

Branchenbezogen wurden die höchsten Gehälter im Luftfahrtbereich mit durchschnittlich 1.038 Euro erzielt. Finanz- und Versicherungstätigkeiten bringen im Schnitt etwa 417 Euro ein, Industriejobs liegen mit 257 Euro leicht über dem Durchschnitt. Bildungstätigkeiten wurden unterdurchschnittlich mit 241 Euro entlohnt. Die Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich wird noch schlechter mit 179 Euro bezahlt.

Im Juli stieg die Inflationsrate auf 19,5 %. Das Umtauschverhältnis der ukrainischen Währung Hrywna zum Euro entwickelte sich wie folgt:

Bei der Einführung der Hrywna 1 : 1. Am 22.12.2014 entsprach 1 Euro gleich 19,41 Hrywna, am 12.08.2017 war dann 1 Euro gleich 30,21 Hrywna wert.

Rechnet man zu den Lebenshaltungskosten, dass es keine Krankenversicherung in der Ukraine gibt und die angeblich "freie Gesundheitsversorgung" doch nicht existiert und erhebliche Kosten im Krankheitsfall anfallen, so können viele Ukrainer nicht einmal die Mietkosten aufbringen. Und wie kann so etwas funktionieren ohne Korruption?

Wie ist es z.B. zu verstehen, dass im Frühjahr 2017 zwei bekannte ukrainische Politiker vor laufenden Fernsehkameras verhaftet und schon bald wieder freigelassen wurden. Roman Nassirow, ehemaliger Leiter der ukrainischen Finanzverwaltung gegen eine Kaution von 100 Millionen Hrywna (ca. 3,1 Millionen Euro), die weit unter der vom Staatsanwalt geforderten Summe lag und Mykola Martynenko, ehemaliger Abgeordneter der Werchowna Rada, sogar ohne Kaution. Und wie kann ein öffentlicher Bediensteter mit seinem Einkommen solch eine Kaution bezahlen? Im Jahre 2015 erschien eine wissenschaftliche Untersuchung der politischen Systeme Osteuropas, des Südkaukasus und Zentralasiens. Diese stellt eine neue Theorie postsowjetischer Politik vor, die sich mit solchen Vorgängen befasst und nennt es die "Patronale Politik".

Hierin wird insbesondere die Rolle und Funktionsweise der Präsidialsysteme und der Einfluss der Oligarchen. (Unter Oligarchen versteht man Wirtschaftsführer, die durch ihren Reichtum über ein Land oder eine Region weitgehende Macht zu ihren alleinigen Vorteilen ausüben.) Als entscheidenden Grundzug der postsowjetischen Systeme werden klientelistische Patronagebeziehungen und klanähnliche Netzwerke und deren Rentenabschöpfung genannt. (Patronage ist die gezielte Förderung von Menschen durch Personen mit entsprechenden wirtschaftlichen oder politischen Möglichkeiten. Eine solche Person wird in diesem Zusammenhang als Patron bezeichnet, die davon profitierende Person als Klient). In diesem "Patronalismus" wird Macht durch den Aufbau und Wettbewerb von informellen, mal verbundenen, mal konkurrierenden Patronagepyramiden angesammelt, gesichert und ausgeübt. Üblicherweise infiltrieren solche Korruptionsnetzwerke ein weites Spektrum von gesellschaftlich relevanten Institutionen, angefangen von Ministerien, Behörden und Parteien bis hin zu Unternehmen, Massenmedien und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Innerhalb dieser pyramideförmigen Netzwerke tauschen deren Mitglieder Posten, Geld, Aufträge, Immobilien, Waren, Dienstleistungen, Lizenzen, Drittmittel und Vergünstigungen aus. Diese Pyramidennetzwerke sind wie ein Schneeballsystem und untergraben den gesamten Staat. Somit bestimmt nicht die Politik sondern die Patrone. Aus diesem Grunde wird es fast unmöglich sein, der Korruption Herr zu werden.

 

Zum Ende meiner Ausführungen möchte ich Dank sagen an die Josef-Hagedorn-Stiftung in Hamburg, an unsere Mitglieder, die uns treu geblieben sind und nicht zuletzt an meine Mitstreiter im Vorstand für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Ein weiterer Dank gilt allen, die unsere Arbeit unterstützt haben.

Lassen Sie uns weiter den bedürftigen Menschen in der Ukraine helfen und einen kleinen Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses leisten!

 

Das war in Kurzfassung mein Jahresbericht. Ich wünsche der Mitgliederversammlung einen guten Verlauf.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Rolf Konersmann

  1. Vorsitzender

 

 

 

 

 

JAHRESBERICHTE DES 1. VORSITZENDEN

Mitgliederversammlung 2019

 

Seit nunmehr 27 Jahren ist S.O.S. '86 - Kinder von Tschernobyl e.V. ein angesehener Verein in Deutschland und der Ukraine. Leider hat aber auch unser Verein - wie schon in der letzten Mitgliederversammlung angesprochen - mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie auch der Großteil anderer Vereine - Sportvereine, Hilfsvereine und sogar Parteien: Es fehlt an Nachwuchs; die Vereinsmitglieder werden immer älter und die Vereinsfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Spenden immer schwieriger.

Seit einigen Jahren haben wir dementsprechend unsere Ausgaben anpassen müssen. Unser Besreben bei der Finanzplanung ist es schon seit jeher, dass die uns zu jedem Jahresende zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel noch mindestens für ein weiteres Tätigkeitsjahr ausreichen müssen. Im Sinne der Finanzbehörden ist es auch, dass Vereine die ihnen zur Verfügung stehenden Finanzmittel zeitnah für den Vereinszweck verwenden, denn humanitäre Vereine sollen keine Sparvereine sein.

 

A. Finanzielle Situation unseres Vereins

Den Geschäftsbericht für das Jahr 2018 wird unser Kassenwart Jürgen Pietsch im Anschluss an meinen Bericht detailliert vortragen.

Leider konnte uns die Horst und Eva-Engelhardt-Stiftung auch im Jahre 2018 unterstützen. Am 5. September 2019 hat mir Rosella Goslant, Vorstandsmitglied der Stiftung und ehemalige Lebensgefährtin des verstorbenen Horst Engelhardt mitgeteilt, dass die Stiftung ab Frühjahr 2020 wieder in der Lage sein wird, ihre Tätigkeit vollumfänglich aufnehemn zu können. Ich hoffe, dass unsere humantäre Tätigkeit im Sinne von Horst Engelhardt wieder unterstützt wird.

Wie bereits in der letzten Mitgliederversammlung mitgeteilt, hat mir unser Ehrenvorsitzender Harald Christ zugesagt, unseren Verein mit einer Spende von 6.000,00 EUR zu unterstützen - 3.000,00 EUR sollen im Herbst 2018 angewiesen werden und der Rest im Frühjahr 2019. Harald Christ hatte im Jahr 2016 auch mit mir unsere Partnerorganisation in Kiew besucht und sich persönlich ein Bild von unserer gemeinsamen Tätigkeit in der Ukraine machen können. "Die Menschen dort, die ich kennengelernt habe, verdienen Unterstützung" (Originalaussagen von Harald Christ).

Ich möchte der Versammlung hier im Einzelnen den Spendeneingang im Jahre 2ß18 zur Kenntnis bringen. Bemerkenswert ist auch, dass wir von Mitgliedern zweckbestimmte Spenden erhalten (z.B. zur Unterstützung namentlich benannter Personen in der Ukraine), die wir natürlich gegen Empfangsbestätigung an die Empfänger weiterleiten. Auch erhalten wir Spenden von unseren Mitgliedern für ukrainische Familien in Briefumschlägen, bei denen uns die Empfänger auch den Empfang unter Angabe des Geldbetrages bestätigen.

Im Jahre 2018 gingen folgende Spendengelder auf unserem Vereinskonto ein:

Januar 2018               0,00 EUR

Februar 2018        1.000,00 EUR      Bircomp GmbH (Ralf Bendzko - 2. Vorsitzender)

März 2018               500,00 EUR      Dr. Uwe Kempe (zweckbestimmt)

April 2018                   0,00 EUR

Mai 2018                 100,00 EUR      Ortsgemeinde Eich

Juni 2018                 500,00 EUR     Dr. Uwe Kempe (zweckbestimmt)

Juli 2018                  411,90 EUR      Vladislav Kukhta (zweckbestimmt)

August 2018          2.000,00 EUR      Dr. Uwe Kempe (zweckbestimmt)

September 2018           0,00 EUR  

Oktober 2018         3.000,00 EUR     ChristQCompany

November 2018            0,00 EUR

Dezember 2018         258,00 EUR     Josef-Hagedorn Stiftung

                                100,00 EUR     Eheleute Bieker

 

B. Vereinsaktivitäten

a) Hilfsgütertransporte

Mittlerweile kann man in der Ukraine fast alles kaufen. Somit ist es billiger, dort benötigte Dinge zu erstehen ohne die hohen Transportkosten tragen zu müssen.

b) Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen

Im Jahre 2018 fand zum ersten mal keine von unserem Verein organisierte Kinder- und Familienerholungsmaßnahme in unserer Region statt, da keine Gasteltern mehr gefunden werden konnten.

Am 20. Februar 2019 erfolgten Änderungen in den Verordnungen des Ministerkabinetts der Ukraine und eine neue Verfahrensordnung zur Organisation der Auslandsreisen von Kindern zur Erholung und Gesunderhaltung. Diese Verfahrensordnung hat bei deutschen Hilfsorganisationen (z.B. in Kierspe), die seit Jahren Kindererholungen durchführen, dazu geführt, dass zunächst für das Jahr 2019 die bereits schon fertig geplante Erholungsmaßnahme abgesagt wurde, da einige zusätzliche Forderungen der Ukraine nicht erfüllt werden können.

Alternativ unterstützen wir seit dem Jahre 2012 unsere Partnerorganisation in der Ukraine bei der Durchführung von Erholungsmaßnahmen für schwerbehinderte Kinder und ihre Betreuer in der Ukraine mit einem Kostenanteil von mind. 1.000,00 EUR jährlich. Die Auswahl der Kinder erfolgt durch einen Vertreter unseres Vorstandes vor Ort in Kiew.

c) Informationsfahrten in die Ukraine

Im Oktober 2018 fand die 52. Informationsfahrt nach Kiew statt, im Juni 2019 die 53. Informationsfahrt und vom 4. bis 13. Oktober 2019 wird die 54. Informationsfahrt durchgeführt werden. Leider sind es in den letzten Jahren immer nur noch kleine Reisegruppen. An der 53. Informationsfahrt haben vom Vorstand der 1. und 2. Vorsitzende unseres Vereins teilgenommen und den Kontakt zu unserer Partnerorganisation gehalten.

Während dieser Info-Reisen richten wir u.a. jeweils Kinderfeste in unserer Partnerorganisation aus, treffen uns mit Mitgliedern unserer Partnerorganisation, nehmen Besprechungen u.a. mit der Bezirksregierung wahr, besuchen ein Heim für Kinderinvaliden, treffen uns mit den Kindern und Eltern, die an den Erholungsmaßnahmen teilgenommen haben und vieles mehr.

In den letzten Mitgliederversammlungen habe ich immer wieder auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Informationsfahrten nach Kiew hingewiesen.

d) Zusammenarbeit mit unserer ukrainischen Partnerorganisation

Wie bereits in früheren Jahresberichten aufgeführt, werden die an unsere Partnerorganisation in Kiew gespendeten Gelder verwendet für

  • Medikamente für schwerkranke Kinder und Erwachsene;
  • Unterstützung von Dialysepatienten;
  • Kindererholungsmaßnahmen in der Ukraine für schwerkranke Kinder;
  • Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche in Kiew-Desnyanski;
  • Durchführung von Kinderfesten;
  • Unterstützung hilfsbedürftiger Personen (nach Absprache mit uns;
  • finanzielle Unterstützung unserer Partnerorganisation zur Bewältigung ihrer satzungsmäßen Tätigkeiten.

Die Zusammenarbeit mit den "Landsleuten", der ältesten humanitären Organisation in Kiew, erfolgt vertrauensvoll. Die der Partnerorganisation für mit uns abgesprochenen Verwendungszwecken überlassenen Geldmittel werden korrekt, bis auf die letzte Kopeke belegt, eine Überprüfung erfolgt durch unseren Vorstand.

e) Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Generalkonsulat in Frankfurt

Mehr als zwanzig Jahre hat eine persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat bestanden. Die Arbeit unseres Vereins war dem jeweiligen Generalkonsul bekannt und wurde bei jährlich stattfindenden persönlichen Kontakten gewürdigt. Leider hat sich das mit der jetzigen Generalkonsulin geändert, die die Kommunikation nunmehr "unpersönlich" über Facebook abwickelt, was bei mir den Eindruck erweckt, dass die ehrenamtliche Tätigkeit unseres Vereines nicht mehr als für die Ukraine so wichtig angesehen wird.

 

c) Sonstiges

Das im Jahre 2016 in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland durchgeführte Projekt "Ausbau der Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft in den Ländern der östlichen Partnerschaft und Russland" hat dazu geführt, dass wir jedes Jahr wieder eingeladen werden, uns an weiteren Projekten zu beteiligen. Ich habe ein Projekt entwickelt und durchgeführt. Aus meiner Erfahrung muss ich leider sagen, dass ein Projekt nicht im Verlauf eines Jahres den so erwünschten Erfolg bringen kann; die Projektdauer muss m.E. mindestens drei Jahre betragen. Leider wurde uns eine Projektverlängerung auf zwei Jahre nicht gestattet, so dass wir bei dem finanziellen, zeitlichen und vor allem bürokratischen Aufwand uns nicht mehr in der Lage fühlten, uns an weiteren Projekten zu beteiligen.

Wir arbeiten seit nunmehr fast 28 Jahren mit der ukrainischen Zivilbevölkerung zusammen, nicht um politische Ziele zu verfolgen. Unser Einsatz von Mensch zu Mensch soll Brücken bauen zwischen den Menschen verschiedener Zivilgesellschaften. Bei unserer Arbeit geht es nur um Hilfe nicht um Bevormundung, wie unsere Demokratie zu übertragen ist, denn Demokratie ist nicht gleich Demokratie. Und so soll es auch weiterhin bleiben.

Unsere Hilfe kann nur ein kleiner Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses sein; sie ist aber meines Erachtens wichtig, den Menschen der Ukraine zu zeigen, dass wir sie unterstützen, ihre Demokratie zu finden und der Jugend aufzuzeigen, dass für sie auch im eigenen Land Chancen bestehen, ihren eigenen Staat weiter zu bringen und nicht ihren Lebensunterhalt im Ausland verdienen zu müssen. 

Aus diesem Grunde bitte ich Sie, unseren Verein weiterhin zu unterstützen.

Zum Ende meiner Ausführungen möchte ich mich noch bei allen bedanken, die unseren Verein unterstützen

  • bei allen Vorstandsmitgliedern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit;
  • bei Ihnen - unseren Mitgliedern, dass Sie unserem Verein die Treue halten und
  • bei allen Sponsoren, die wir so dringend brauchen, um unsere Arbeit fortführen zu können.

 

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche der Versammlung einen guten Verlauf.

Rolf Konersmann

1. Vorsitzender

 

  

Mitgliederversammlung 2018

Seit nunmehr 26 Jahren ist S.O.S. '86 - Kinder von Tschernobyl e.V. ein angesehener Verein in Deutschland und der Ukraine. Leider aber hat unser Verein mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wie auch ein Großteil anderer Vereine - Sportvereine, Hilfsvereine und sogar Parteien. Es fehlt an Nachwuchs. Die Vereinsmitglieder werden immer älter und die Vereinsfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Spenden wird immer schwieriger. Seit einigen Jahren haben wir dementsprechend unsere Ausgaben anpassen müssen. Unser Bestreben bei der Finanzplanung ist es schon seither, dass die uns zum Jahresende zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel noch mindestens für ein weiteres Tätigkeitsjahr ausreichen, was wohl auch im Sinne der Finanzbehörden ist. Diese sagen: Vereine sind keine Sparvereine und sollen ihre Finanzmittel zeitnah für den Vereinszweck einsetzen. 

Ich hoffe, dass nach dem Tode von Horst Engelhardt, unserem jahrelangen Hauptsponsor, die Horst und Eva-Engelhardt-Stiftung uns zum Jahresende 2018 wieder zu einer Spendenübergabe einladen kann. Weiterhin habe ich unsere finanzielle Situation mit unserem Ehrenvorsitzenden Harald Christ besprochen. Er hat mir Folgendes geschrieben. Ich zitiere: "Lieber Rolf, es ist wichtig, dass DU/IHR Euch weiter in der Ukraine engagiert, um Brücken zu bauen und an einer besseren Zukunft für die Ukraine mitarbeitet. Das ist zweifelsohne ehrenhaft und verdient auch Respekt und Anerkennung. Die Menschen dort, die ich kennengelernt habe, verdienen auch Unterstützung. Aus Verbundenheit zum Verein mache ich daher gerne im Herbst eine Spende." Weitere Spenden gingen im Berichtsjahr von der Bircomb GmbH ein, bei der unser zweiter Vorsitzender Ralf Bendzko geschäftsführender Gesellschafter ist sowie von der Josef-Hagedorn Stiftung aus Hamburg. Hierfür meinen herzlichen Dank!

Leider haben sich die Lebensbedingungen für den von uns unterstützten Personenkreis in den letzten Jahren nicht wesentlich gebessert und nun steht noch eine Gasverteuerung für die Bevölkerung der Ukraine vor der Tür. Die Erhöhung des Gaspreises ist eine der Bedingungen für die Bereitstellung der nächsten Tranche vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Organisation besteht darauf, dass Kiew den Brennstoffpreis um etwa ein Drittel erhöht, was natürlich dann den Endverbraucher hart treffen wird. Weiterhin ist die Ukraine immer noch nicht erfolgreich bei der Korruptionsbekämpfung. Zurzeit spricht man davon, dass allein durch Zollmanipulationen dem Staatsbudget jährlich Einnahmen in der Höhe von annähernd fünf Milliarden US-DOLLAR entgehen - nicht weniger als zehn Prozent der gesamten Staatseinnahmen der Ukraine. So sollen neben korrupten Zollbeamten auch Grenzschützer, Geheimdienstmitarbeiter und Vertrauensleute in der Justiz im System der Zollvermeidung eingebunden sein.

Seit der letzten Mitgliederversammlung im Jahre 2017 hatten wir einen Hilfstransport mit 50 Krankenhausbetten vom Diakonissenkrankenhaus vermitteln können und diese an eine von Ukrainern in Frankfurt gegründete Hilfsorganisation weitergeleitet. Im Oktober 2017 fand dann die 50. Informationsreise zu unserer Partnerorganisation nach Kiew statt. Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, wie wichtig die zweimal jährlich stattfindenden Reisen für unseren Vorstand sind, um den Kontakt zu unserer Partnerorganisation in Kiew, den ukrainischen Behörden, der deutschen Botschaft in Kiew und nicht zuletzt den Personen, die wir betreuen, aufrecht zu erhalten.

Auf Einladung von Rosella Goslant, der Lebensgefährtin von Horst Engelhardt und jetziges Vorstandsmitglied der Horst und Eva-Engelhardt-Stiftung, besuchten Galyna und Stefan Bässler sowie meine Ehefrau und ich am 5. November 2017 als Vertreter unseres Vereines das Konzert der Gruppe Nostalgias de Buenos Aireres in der Kulturkirche Epipanias in Mannheim. Am 15. November 2017 fand im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt die Vorführung des Filmes "HOLODOMOR" statt. Hierzu hatte die Generalkonsulin der Ukraine, Frau Alla Polyova, eingeladen.

Im Januar 2018 feierte unsere ukrainische Partnerorganisation "Landsleute" mit den Kindern aus den Mitgliedsfamilien Weihnachten. Die Kinder erhielten kleine Geschenke, die unser Verein finanzierte.

Im April 2018 fand von der Finanzverwaltung die Überprüfung der Körperschaften statt, die gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen. Hierzu musste ich eine Körperschaftsteuererklärung sowie eine Erklärung zu gesonderten Feststellungen von Besteuerungsgrundlagen erstellen, die in Zusammenhang mit der Körperschaftsteuerveranlagung durchzuführen sind. Die Anleitung hierzu von der Finanzverwaltung ist kleingedruckt 12 DIN a 4 Seiten lang und umfasst 105 Hinweispunkte, die zu beachten sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch viele Vereine gibt, die ohne kostspieligen Steuerberater auskommen. Am 22. Mai 2018 erteilte und dann das Finanzamt Worms-Kirchheimbolanden den Freistellungsbescheid für die Jahre 2015 bis 2017 zur Körperschaft- und Gewerbesteuer. Somit sind wir weiterhin berechtigt steuerliche Spendenbescheinigungen auszustellen.

Ende Mai 2018 fand dann die 51. Informationsfahrt nach Kiew statt. Die kleine Reisegruppe besuchte auf Einladung des ukrainischen Fußballverbandes das Champions-League Endspiel im Dynamio Stadion in Kiew. Es fanden während unseres Aufenthaltes zwei Kinderfeste statt - eines in den Räumen unserer Partnerorganisation sowie ein "Sportfest" auf dem Gelände der Kinderinvaliden, die wir betreuen und immer besuchen. Auch wurden wir von dem neuen Bürgermeister des Desniansky-Bezirkes eingeladen, der sich für die langjährige Hilfe unseres Vereines bedankte und eine Dankesurkunde überreichte. Er ist mittlerweile in den letzten fünf Jahren der sechste oder siebte Amtsträger.

Zum ersten Mal fand im Jahre 2018 keine Kinder- und Familienerholungsmaßnahme für Ukrainer in unserer Region statt, da keine Einladungen von Gasteltern vorlagen. Alternativ haben wir aber - wie in den Jahren seit 2012 schon - Erholungsmaßnahmen für schwerbehinderte Kinder sowie deren Betreuer in der Ukraine mit 1.000,00 EUR unterstützt

Wie bereits in früheren Jahresberichten aufgeführt, werden die an unsere Partnerorganisation in Kiew gespendeten Gelder verwendet für:  

  • Medikamente für schwerkranke Kinder und Erwachsene
  • Unterstützung von Dialysepatienten
  • Kindererholungsmaßnahmen in der Ukraine für schwerstbehinderte Kinder (Kinderinvaliden)
  • finanzielle u.a. Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für Kinder und Jugendliche in Kiew-Desniansky
  • Durchführung von Kinderfesten
  • nach Absprache mit uns Unterstützung bedürftiger Personen
  • Unterstützung unserer ukrainischen Partnerorganisation zur Ausübung ihrer satzungsmäßigen Aufgaben
  • u.a.                                                                        

Zur Kenntnisnahme hier ein Dankschreiben einer Mutter, die bereits einen blinden und schwerstbehinderten Sohn pflegen muss und uns um Hilfe bat, da sie größte Probleme bei einer erneuten Schwangerschaft hatte und einen Arzt nicht bezahlen konnte:  

Lieber und sehr geehrter Herr Konersmann,                                                                                

von ganzem Herzen möchten wir unsere große Dankbarkeit für die materielle Unterstützung unserer  Familie ausdrücken. Wir sind dem Schicksal dankbar, dass wir so wunderbare, verständnisvolle und gutmütige Freunde haben, die in einem schwierigen Moment "eine helfende Hand" geben. Dank Ihnen konnten wir ein gesundes und starkes Baby gebären. Es ist einen Monat zu früh geboren, aber jetzt holt es die Kinder seines Alters ein.  

Gute Taten bleiben nicht unbemerkt. Indem Sie Hilfe leisten, geben Sie unseren Kindern die Möglichkeit zu leben, das Leben zu genießen und danach zu streben, nur gute Taten zu tun. Es sollen Wohltun und Großzügigkeit doppelt zu Ihnen und Ihren Vereinsmitgliedern zurückkehren.

Wir wünschen Gesundheit und alles Gute. Es soll in Ihrem Leben nur alles gut sein. Tiefe Verbeugung von uns für Sie, Ihre Familie und Ihren Hilfsverein.

Hochachtungsvoll 

Familie Korjavyj

Marina, Sascha, Sergej, Diana und Daniil

Kiew, 31. Mai 2018

Das im Jahre 2016 in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland durchgeführte Projekt "Ausbau der Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft in den Ländern der östlichen Partnerschaft und Russland" hat doch bei mir einige Fragen aufgeworfen:      

  • Wer verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff "Zivilgesellschaft"?
  • Tragen engagierte Einzelpersonen und freiwillige Vereinigungen - sog. NGO's wie unser Verein (Nichtregierungsorganisationen) - dazu bei, dass ein Staat (zivil" und demokratisch ist?          
  • Wird die Zivilgesellschaft in den Ländern der östlichen Partnerschaft und Russland vom Westen nur als solche anerkannt, wenn sie sich gegen das Regime stellt?                            
  • Ist Zivilgesellschaft nicht doch auch ein Teil des Regimes? Ja, das ist sie!
  • Aber ist nach westlichem Verständnis Zivilgesellschaft nicht gleichbedeutend mit westlich orientierter Opposition?                                                                                                                    

Wir arbeiten seit fast 26 Jahren mit der ukrainischen Zivilgesellschaft zusammen, nicht um politische Ziele zu verfolgen. Unser Einsatz soll Brücken bauen zwischen den Menschen der verschiedenen Zivilgesellschaften. Bei unserer Arbeit geht es nur um Hilfe für Menschen und nicht um Bevormundung. Und so soll es auch weiterhin bleiben, denn unsere Hilfe ist nur ein kleiner Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses, aber meines Erachtens immer noch sehr wichtig für die Menschen in der Ukraine. Aus diesem Grunde bitte ich Sie, unseren Verein weiterhin zu unterstützen.

Zum Ende meiner Ausführungen möchte ich mich noch bei allen bedanken, die unseren Verein unterstützen und Ihnen noch die amtierenden Vorstandsmitglieder vorstellen, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, unseren Verein am Leben zu erhalten:  

  • Zweiter Vorsitzender       Ralf Bendzko
  • Schriftführer                  Stefan Bässler
  • Kassenwart                    Jürgen Pietsch
  • Beisitzer                         Kay Beiersdörfer, Alfred Hollstein, Klaus Horn und Wolfgang Simon
  • Kassenprüfer                  Anna Maria Hollstein und Horst Schneider                                                                                                          

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Rolf Konersmann

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

 

Mitgliederversammlung 2016

 

 Das Jahr 2015 war das 23. Tätigkeitsjahr unseres gemeinnützigen Vereines. Leider hielt uns in diesem Jahr auch wieder die unsichere politische Lage in der Ostukraine in Atem. Viele Hilfsorganisationen bedauerten, dass auf Grund der unsicheren politischen Lage in der Ukraine ihre Tätigkeit ganz eingestellt wurde bzw. keinerlei Delegationsreisen in die Ukraine durchgeführt wurden, da die seitherigen offiziellen Ansprechpartner in der Ukraine nicht mehr zuständig waren.

 

SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. hat die für 2015 geplanten Maßnahmen durchführen können. Die seit 2012 bestehende Zusammenarbeit mit unserer ukrainischen Partnerorganisation ZEMLYAKI „Landsleute“ konnte auf vertrauensvoller Basis vertieft werden. ZEMLYAKI ist die älteste in Kiew existierende Hilfsorganisation für Familien, die von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigt wurden. Gegründet wurde diese Organisation bereits im Jahre 1987. Sie feiert 2017 ihr 30-jähriges Bestehen.

Seit unserer Zusammenarbeit ist auch ein Hilfsprogramm für Kinder aufgenommen worden. So konnten auch im Jahr 2015 zwei Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die 44. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme fand im August 2015 in Deutschland statt. Teilnehmer sind Kinder und mittlerweile dem Kindesalter entwachsene Jugendliche und auch schon Erwachsene, die größtenteils schon seit Jahren in „ihrer“ deutschen Gastfamilie beherbergt werden.

Für vier schwerstbehinderte Kinder in Begleitung ihrer Mütter fand mit unserer finanziellen Unterstützung ein 14-tägiger Erholungsurlaub in einem Sanatorium am Schwarzen Meer statt.

 

Im Laufe der Jahre haben wir 78 Hilfsgütertransporte in die Ukraine geschickt. Medizinisches Gerät, Krankenhauszubehör, Krankenbetten, Lebensmittel, Medikamente u.v.m. haben wir auf die entlegensten Dörfer bis hin zum Schwarzen Meer verteilt. Mittlerweile erachtet es der Vereinsvorstand als sinnvoller, gezielt Hilfsprojekte in der Ukraine zu unterstützen. Die an unsere Partnerorganisation übergebenen Geldspenden wurden im Jahr 2015 verwendet für:

  • Medikamente für schwerkranke Kinder und Erwachsene;
  • Unterstützung von Dialysepatienten;
  • Kindererholungsmaßnahmen in der Ukraine für schwerkranke Kinder und deren Betreuer;
  • finanzielle Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche in Kiew-Desnianski;
  • finanzielle Unterstützung unserer Partnerorganisation ZEMLYAKI;
  • Durchführung von Kinderfesten;
  • u.v.m.

 

Die ordnungsgemäße Verwendung der an die Partnerorganisation gespendeten Finanzmittel wird mindestens zwei Mal im Jahr von einem unserer Vorstandsmitglieder vor Ort in Kiew überprüft. Hierzu werden alle Kostenbelege vorgelegt und auf Plausibilität im Beisein einer Dolmetscherin geprüft.

 

Mindestens zwei Mal im Jahr (im Juni und Oktober) halten sich Vorstandsmitglieder unseres Vereines für ca. eine Woche anlässlich unserer Informationsfahrten bei unserer Partnerorganisation auf. In 2015 fanden die 46. Und 47. Informationsfahrt nach Kiew statt. Leider ist die Teilnehmergruppe zur Zeit nicht sehr groß. Ich hoffe aber, dass sich das künftig wieder ändern wird.

Höhepunkt der 47. Informationsfahrt war eine Einladung in das Rathaus der Hauptstadt der Ukraine, verbunden mit einer Führung durch das Haus. Dort konnten sich die deutschen Gäste die Fortschritte der Renovierungsarbeiten in dem riesigen Gebäude anschauen, das während der Unruhen auf dem Maidan im Jahre 2013 im Innenbereich stark verwüstet wurde. Weiterhin zeigte man der Besuchergruppe mit Stolz den neu fertiggestellten Ratssaal für die 120 städtischen Abgeordneten, welcher mit einer neuen elektronischen Anlage für Abstimmungen bestückt wurde. Künftig kann eine Abstimmung nur noch nach Legitimierung durch einen Fingerscanner durchgeführt werden. Vitali Klitschko, ehemaliger Weltmeister im Schwergewichtsboxen und nunmehr Oberbürgermeister der Stadt Kiew bedankte sich mit einer Ehrenurkunde der Staatsverwaltung der Stadt Kiew beim Vorsitzenden des Eicher Hilfsvereines. Die deutsche Übersetzung der Urkunde lieferte er gleich mit:

„Sehr geehrter Herr Rolf Konersmann! Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre vieljährige, wohltätige Hilfe, die Sie den durch Folgen der Tschernobylkatastrophe Betroffenen leisten. Ihre Menschlichkeit, Professionalität und das Streben, das Leben ukrainischer Menschen zu verbessern, verdienen alle Achtung.

Beste Wünsche für Ihre weitere Tätigkeit, Verwirklichung aller guten Vorhaben!

Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko.“

 

Am 6. November 2015 fand in der Katharinenkirche in Oppenheim eine Benefizgala zugunsten unseres Vereines statt. Die Vorbereitungen zu diesem Event haben ein Jahr in Anspruch genommen. Das „Beethoven Duo“, eines der bedeutendsten Duos der gegenwärtigen klassischen Musik - zwei ehemalige sowjetische Wunderkinder – hatten das Programm zusammengestellt und präsentierten Musik auf Weltniveau. Es war ein stilvoller Abend in der Katharinenkirche.

 

Im November 2015 habe ich Kontakt zum Auswärtigen Amt in Berlin aufgenommen und mich interessiert für das Programm „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“.

Hierzu habe ich eine Projektskizze zur Einschätzung der Erfolgsaussichten eines Förderantrages aus Mitteln für den Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland erstellt. Es soll ein zweigeteiltes Projekt werden:

  • Gründung eines „Deutschen Zentrums“ im Bezirk Kiew-Desnianski als Mittelpunkt unserer Arbeit in der Ukraine. Es soll Anlaufstelle für Ukrainer sein,
  • die Kontakte zu Deutschen bereits unterhalten bzw. künftig unterhalten möchten. Deutschunterricht für Kinder und Jugendliche soll kostenlos angeboten werden.
  • Dialogveranstaltungsreihe mit Studenten und Professoren der Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew. In diesem Jahr sind vier Veranstaltungen geplant. Als Referent konnte ich Harald Christ gewinnen.

Mit Datum 15. Juni 2016 erhielt ich die Nachricht vom Auswärtigen Amt, dass unser eingereichtes Projekt mit positivem Votum an das Bundesverwaltungsamt zur Bescheidung weitergeleitet wurde.

 

Leider gab es im Jahr 2015 auch viele traurige Begebenheiten, so mussten wir uns von Julia Bagmut trennen, einer jungen 32-jährigen Mutter von zwei kleinen Kindern, die als Achtjährige bei einer unserer ersten Kindererholungsmaßnahmen nach Flörsheim-Dalsheim zu den Eheleuten Collet kam und bis ihrem Tode wie ein Familienmitglied aufgenommen wurde.

Weiterhin verstarb die fünfjährige Yelysaveta Skoryk im Klinikum in Dortmund, der wir seit zwei Jahren versucht haben zu helfen.

Auch mussten wir uns von unserem Vorstandsmitglied Andreas Schneider trennen, der im 47. Lebensjahr an Krebs verstarb sowie auch von unserem langjährigen Mitglied Eckhard Bühler.

Am 2. Februar 2016 verstarb nach schwerer Krankheit unser langjähriger Mäzen Horst Engelhardt im Alter von 91 Jahren. Horst Engelhardt hatte immer ein offenes Ohr für die Wünsche unseres Vereines. Seine jährlichen Spenden ermöglichten es, Hilfe in diesem Umfange in die Ukraine zu bringen. Wir werden diesen wunderbaren Menschen immer in Erinnerung halten.

 

Im April 2016 jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 30. Mal. Ich habe an den Gedenkfeierlichkeiten in der Ukraine teilgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Hilfsverein „Tour der Leiden“ konnten wir die Feuerwehr der Stadt Kiew mit einigen neuen Einsatzuniformen sowie über 100 gebrauchten Ausgehuniformen der Feuerwehr Worms ausstatten. Ich habe die Wormser Uniformen dem Vorsitzenden des Hamburger Hilfsvereines Oliver Erhardt nach Hamburg gebracht, von dort hat er diese dann weiter nach Kiew transportiert. Vielen Dank Oliver Erhardt und Karsten Kaukel!

Unser Verein hatte anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten einen Schülerwettbewerb „Rettet unseren Planeten“ unterstützt. Die Ausstellung der von den Schülern erstellten Bilder fand im Bezirksrathaus statt. Ich hatte die Ehre, die Gewinner mit Urkunden und kleinen Preisen beglückwünschen zu dürfen.

 

Die 48. Informationsfahrt nach Kiew fand vom 3. – 11. Juni 2016 statt. In dieser Zeit haben wir zwei Kinderfeste für Kinder durchgeführt, die schon Invaliden sind.

Auch wurden Gespräche mit Professoren der Universität und dem Vorstand unserer Partnerorganisation zur Vorbereitung unseres Projektes mit dem Auswärtigen Amt geführt.

 

Am 1. Juli werde ich zu einer Besprechung wegen der geplanten Zusammenarbeit der Kiewer Taras-Schewtschenko-Universität mit der Hochschule Wildau nach Berlin fahren, um Vorgespräche mit dem Rektor der Universität Wildau, Harald Christ sowie einer Abordnung aus Kiew zu führen.

 

Zum Abschluss meines Jahresberichtes möchte ich mich bei meinen Mitstreitern im Vorstand für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten Jahren bedanken, ein weiterer Dank gilt allen, die unsere Arbeit unterstützt haben sowie unseren Mitgliedern.

 

Das war in Kurzfassung mein Jahresbericht. Ich wünsche der Mitgliederversammlung einen guten Verlauf.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

 Rolf Konersmann

Bericht des 1.Vorsitzenden 2015

SOS ´86 – Kinder von Tschernobyl e.V.

 

Mitgliederversammlung 2015

 

Bericht des 1. Vorsitzenden

 

Auch im Jahr 2014 hielt uns die unsichere politische Lage in der Ostukraine in Atem.

Andere Hilfsorganisationen, wie z.B. die Stiftung des Landes Niedersachsen „Kinder von Tschernobyl“, veröffentlichten den Reisebericht zur jährlichen Delegationsreise 2014 in die Ukraine wie folgt:

„Dr. med. Gisbert Voigt, Vorsitzender des Kuratoriums und stv. Präsident der Ärztekammer Niedersachsens, bedauert sehr, dass aufgrund der unsicheren politischen Lage in diesem Jahr keine Delegationsreise in die Ukraine durchgeführt werden konnte. In den für die Stiftung zuständigen Ministerien sind inzwischen alle Ansprechpartner abgesetzt worden.“

 

Das ist seit Staatsgründung das Problem der Ukraine, welches ich schon so oft erleben musste: Kommt eine neue Regierung, werden sämtliche Mitarbeiter bis hin in die Kommunen durch neue Leute ersetzt, die auch oft die fachlichen Voraussetzungen nicht einmal erfüllen, doch Loyalität hat den höheren Stellenwert.

Dieses Prinzip gilt nicht nur in der ukrainischen Politik, es gilt auch in der Wirtschaft. Erfolg ist, dass die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes stagniert.

Tschernobyl und Fukushima sind zwei Katastrophen, die menschengemacht sind und unabsehbare Langzeitfolgen haben. Beide Katastrophen haben jedoch auch zu einer einmaligen gewaltfreien Protest- und Solidaritätsbewegung geführt, die es seit 1986 ermöglicht hat, dass über 1 Million Kinder aus verstrahlten Regionen Familienkontakte in westeuropäischen Ländern gefunden und diese besucht haben.

Weiterhin wurde inzwischen die Notwendigkeit einer nachhaltigen Umgestaltung der Industriegesellschaften von breiten Bevölkerungskreisen und den politisch Verantwortlichen in der Politik, den Kirchen und den Gesellschaften gesehen.

 

SOS ´86 – Kinder von Tschernobyl e.V. hat die für 2014 geplanten Maßnahmen durchführen können.

Lediglich eine von unserem Sponsor, der Horst und Eva-Engelhardt Stiftung, gewünschte Maßnahme, musste storniert werden.

Horst Engelhardt hatte mich im Januar 2014 gebeten, eine Folkloregruppe aus der Ukraine für den Zeitraum 24.03. bis 31.03.2014 nach Deutschland einzuladen und hier zu betreuen. Ich hatte alle Vorbereitungen für 25 Personen zwischen 18 und 65 Jahren getroffen (Verpflichtungserklärung, Unterkunft in Deutschland, Programm in Deutschland sowie Flugkarten von Kiew nach Dortmund mit der WIZZAIR). Leider stellte die Leiterin der Gruppe dann Forderungen:

  1. Der Flug muss von Kiew nach Frankfurt und zurück gebucht werden;
  2. es darf nur mit einer Fluggesellschaft geflogen werden, die die Reisenden während des 2 ¼ stündigen Fluges verpflegt.

Horst Engelhardt war ob dieser Forderungen so verärgert, dass er die Einladung der Gruppe sofort zurückzog und ich alles wieder stornieren musste.

 

Vom 6. Juni 2014 bis zum 13. Juni 2014 unternahmen wir dann unsere 44. Informationsreise nach Kiew. Leider bestand die Gruppe nur aus drei Personen. Vom Vorstand reisten Andreas Schneider und ich sowie als Nichtmitglied Dieter Wittkowski mit. Erwähnenswert ist, dass die Reisekosten von den Teilnehmern allein getragen werden.

Für unseren Vorstand sind die halbjährlichen Informationsfahrten aus verschiedenen Gründen wichtige Maßnahmen:

  1. Der Kontakt zur ukrainischen Partnerorganisation wird gefestigt;
  2. der Kontakt zur Bezirksregierung wird aufrecht erhalten. Das ist wichtig, da - wie ich es bereits vorhin erwähnt habe - die Bezirksbürgermeister häufig ausgetauscht werden (in den letzten zwei Jahren lernte ich drei neue Bürgermeister kennen, was die Verwaltung aber keinen Schritt weiter brachte);
  3. die Besuche haben auch Kontrollfunktionen. Wurden die abgesprochenen Maßnahmen von der ukrainischen Partnerorganisation eingehalten? Stimmen die Abrechnungsbelege usw.

 

Vom 29. Juli bis 19. August fand die 43. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme statt.

Auch hier war die Resonanz klein. Wir konnten leider nur sieben Personen am Flughafen begrüßen.

Trotz der kleinen Gruppe waren es wieder ereignisreiche drei Wochen für unsere Gäste.

 

Die 45. Informationsfahrt nach Kiew fand vom 10. Oktober bis zum 17. Oktober 2014 statt. Es war eine Reise in zwei Welten. Auf der einen Seite wurden wir konfrontiert mit den Verwüstungen rund um den Maidan, den Zelten der Kämpfer, den aufgerissenen Bürgersteigen, beschädigten Häusern usw., und auf der anderen Seite den schönen, gepflegten Villen der Abgeordneten bis hin zum 80 ha großen Park des geflüchteten Expräsidenten Viktor Janukowitsch - und dazwischen die Bürger mit ihren Existenzproblemen und die Flüchtlinge aus dem Donbass, die wir besuchten und denen wir Lebensmittel und überlebensnotwendige Dinge spendeten.

Und dann noch Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen für schwerbehinderte Jugendliche, eine Reise zwischen Gut und Böse.

Dr. Voigt beschrieb tief beeindruckt den Zustand der von ihm in 2013 besuchten Krankenhäuser im Newsletter Dezember 2013 der Stiftung „Kinder von Tschernobyl“ wie folgt:

„So schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt! Der bauliche Zustand der besuchten Krankenhäuser ist bedrückend und deren medizinische Ausstattung sowie die hygienischen Zustände fragwürdig“.

Diese Krankenhäuser liegen in einem Umkreis von max. 150 km um die Hauptstadt Kiew herum. Besonders im ländlichen Bereich gibt es häufig auf 50.000 Einwohner nur ein Ultraschallgerät, und diese Geräte stammen meist aus deutschen Spenden aus den 90er Jahren und sind heute technisch veraltet.“ Auch wir hatten in dieser Zeit bis zum Jahre 2000 zahlreiche Ultraschall-, Röntgengeräte usw. als medizinische Unterstützung in die Ukraine transportiert.

Das Gesundheitssystem der Ukraine soll in den nächsten Jahren umgebaut und nach deutschem Vorbild ein „Hausärztesystem“ entstehen. Ich hoffe, dass die Bevölkerung der Ukraine damit besser fährt und die Privatärzte dann auch bezahlen kann.

 

Eine Einladung vom ukrainischen Generalkonsulat in Frankfurt und der ukrainischen Botschaft in Berlin zum Tag der Selbstständigkeit der Ukraine erfolgte nicht. Wahrscheinlich wurde diese Veranstaltung in 2014 nicht ausgeführt.

 

Ende November 2014 fand dann - wie in jedem Jahr - die Spendenübergabe im Hause unseres Sponsors Horst Engelhardt statt.

Für seine jahrelange Unterstützung unserer Arbeit bedanke ich mich an dieser Stelle.

 

Seit zwei Jahren arbeiten wir mit unserer neuen Partnerorganisation

ZEMLYAKI „Landsleute“ zusammen. Es ist die älteste in Kiew existierende Hilfsorganisation für Menschen, die von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigt sind. Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen. Vorstand und Mitarbeiter in dieser Organisation sind vertrauenswürdig. Mit Unterstützung der „Landsleute“ haben wir im Jahre 2014 die zweite Erholungsmaßnahme für vier schwerbehinderte Kinder in Begleitung ihrer Mütter in einem Sanatorium am Schwarzen Meer in der Ukraine durchgeführt und vielen hilfsbedürftigen Mitgliedern mit Medikamentenspenden geholfen.

 

Im Jahr 2014 haben wie neben den üblichen Hilfen in der Ukraine zwei größere Hilfsersuchen unterstützt:

 

  1. Julia Bagmut Im Jahre 2013 stellte sich bei Julia, mittlerweile 32 Jahre alt und Mutter zweier kleiner Kinder, Brustkrebs heraus. Sie musste dringend in Kiew operiert werden.Eine Gewebeprobe wurde im Klinikum Worms untersucht und Julia bekam einen persönlichen Untersuchungstermin bei Prof. Hitschold. Da diese Immuntherapie über ein Jahr angewendet werden muss und Kosten in Höhe von ca. 70.000 EUR entstehen, haben die Eheleute Collet sowie auch wir über den Hersteller Roche Pharma AG versucht, das Medikament Herceptin für Julia preisgünstiger zu erhalten. Leider wurde dem nicht entsprochen.Leider waren die ganzen Bemühungen, Julia Bagmuts Leben zu retten, erfolglos. Sie verstarb im Mai 2015. Für die Eheleute Collet war es sehr hilfreich, dass sie an der 40-Tagefeier in der Nähe von Borispol teilnehmen und sich so von Ihrem Gastkind Julia verabschieden konnten. Julias Familie hat Collets gebeten, ihren Dank an unseren Verein auszusprechen und mich, dieses weiterzugeben. Collets haben sich für heute Abend bei mir abgemeldet, da sie sich im Urlaub im Ausland befinden. Die Eheleute Collet unterstützten Julia in 2014 mit über 40.000 EUR, wir konnten von Horst Engelhardt 10.000 EUR beisteuern, die er mir zweckgebunden für Julia an seinem 90. Geburtstag überreichte.   
  2. Prof. Hitschold bestätigte die ausgezeichnete chirurgische Arbeit der ukrainischen Ärzte, P bezeichnete es aber als völlig unzureichend, dass die ukrainischen Mediziner auf eine Immuntherapie verzichteten, die das Wiedererkrankungsrisiko nach seiner Aussage um 50% senken würde.
  3. Die Eheleute Collet wollten helfen und baten unseren Verein um Unterstützung. Ich stellte den Kontakt zum Klinikum her, das uns kostenlos unterstützte.
  4. Julia Bagmut war eines unserer ersten Tschernobyl-Kinder, das von den Eheleuten Collet nach Flörsheim-Dalsheim eingeladen wurde. Julia war damals acht Jahre alt. Der Kontakt zu den Gasteltern bestand noch bis heute.
  5. Yelysaveta Skoryk. Dieses fünfjährige Mädchen wurde in einer Klinik in Dortmund behandelt. Ich habe mich an den OB der Stadt Dortmund als  Verwaltungsratsvorsitzenden des Klinikums mit der Bitte gewandt, den Kostenvoranschlag nochmals überprüfen zu lassen. Yelysaveta wurde bis Mitte 2015 in Dortmund behandelt, ist aber dann auch leider verstorben.
  6. Ab Februar 2014 mussten wir organisatorisch die neuen SEPA-Standards für den Zahlungsverkehr beachten. Das führte dazu, unser Vereinsverwaltungsprogramm komplett durch ein neues Programm zu ersetzen.
  7. Seit dem Jahr 2013 arbeiten wir in Verbindung mit dem Beethoven-Duo an einem Benefizkonzert für unseren Verein. Dieses sollte im Jahre 2014 im Rahmen einer „ukrainischen Woche“, ausgerichtet von der Stadt Hamburg, in Hamburg stattfinden. Leider wurde wegen der anfangs erwähnten Auseinandersetzungen in der Ostukraine dieses Vorhaben abgesagt. Zurzeit ist geplant, dieses Benefizkonzert als Friedenskonzert am 6. November 2015 in der Katharinenkirche in Oppenheim stattfinden zu lassen mit einem großen Orchester, deren Musiker zur einen Hälfte aus der Ukraine und zur anderen Hälfte aus Russland kommen.Das waren meine Ausführungen zum Geschäftsjahr 2014.
  8. Last not least möchte ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand recht herzlich für ihre Unterstützung bedanken.Der größte Dank gebührt aber unseren Mitgliedern und Freunden.Ich hoffe, dass wir unsere humanitäre Hilfe auch in Zukunft weiter leisten können – unsere ukrainischen Freunde benötigen sie weiterhin noch dringender als in der Vergangenheit. Sie sind es uns wert. Diese Hilfe soll auch in Zukunft ein kleiner Baustein sein am Bau eines gemeinsamen, friedlichen europäischen Haus.Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.   Rolf Konersmann 
  9.  
  10. 67575 Eich, 31. Juli 2015  
  11.  
  12. Ein besonderer Dank geht an unseren Hauptsponsor, der Horst und Eva-Engelhardt-Stiftung in Mannheim, namentlich an Herrn Horst Engelhardt. Weiterhin bedanke ich mich bei der Josef-Hagedorn-Stiftung in Hamburg, bei meinem Schwager Dipl.-Kfm. Franz-Josef Hagedorn, der unseren Verein auch schon seit Jahren unterstützt 
  13.  
  14.  
  15. Am 7. Februar 2014 schrieb mir Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, dass mit 50.000 EUR die entstandenen Kosten gedeckt seien. Zu den 30.000 EUR der Eltern hat die Stiftung „BILD hilft“ weitere 20.000 EUR gespendet.
  16. Die Familie von Yelysaveta Skoryk bat uns um Hilfe für das fünfjährige Kind, das an einem schweren Gehirntumor erkrankt war und in der Ukraine operiert werden musste. Die Eltern waren sehr aktiv und suchten für die Nachbehandlung eine Klinik in Deutschland, da diese in der Ukraine nicht möglich ist. Das Klinikum in Dortmund konnte die Nachbehandlung durchführen, stellte aber einen Kostenvoranschlag in Höhe von 125.000 EUR aus. Da die Eltern mit Mühe und Not 30.000 EUR aufbringen konnten, habe ich mich an den Oberbürgermeister Sierau meiner Geburtsstadt Dortmund in seiner Eigenschaft als