SOS `86 Kinder von Tschernobyl e.V.

Jahresberichte

Mitgliederversammlung 2016

Das Jahr 2015 war das 23. Tätigkeitsjahr unseres gemeinnützigen Vereines. Leider hielt uns in diesem Jahr auch wieder die unsichere politische Lage in der Ostukraine in Atem. Viele Hilfsorganisationen bedauerten, dass auf Grund der unsicheren politischen Lage in der Ukraine ihre Tätigkeit ganz eingestellt wurde bzw. keinerlei Delegationsreisen in die Ukraine durchgeführt wurden, da die seitherigen offiziellen Ansprechpartner in der Ukraine nicht mehr zuständig waren.

SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. hat die für 2015 geplanten Maßnahmen durchführen können. Die seit 2012 bestehende Zusammenarbeit mit unserer ukrainischen Partnerorganisation ZEMLYAKI „Landsleute“ konnte auf vertrauensvoller Basis vertieft werden. ZEMLYAKI ist die älteste in Kiew existierende Hilfsorganisation für Familien, die von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigt wurden. Gegründet wurde diese Organisation bereits im Jahre 1987. Sie feiert 2017 ihr 30-jähriges Bestehen.
Seit unserer Zusammenarbeit ist auch ein Hilfsprogramm für Kinder aufgenommen worden. So konnten auch im Jahr 2015 zwei Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die 44. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme fand im August 2015 in Deutschland statt. Teilnehmer sind Kinder und mittlerweile dem Kindesalter entwachsene Jugendliche und auch schon Erwachsene, die größtenteils schon seit Jahren in „ihrer“ deutschen Gastfamilie beherbergt werden.
Für vier schwerstbehinderte Kinder in Begleitung ihrer Mütter fand mit unserer finanziellen Unterstützung ein 14-tägiger Erholungsurlaub in einem Sanatorium am Schwarzen Meer statt.

Im Laufe der Jahre haben wir 78 Hilfsgütertransporte in die Ukraine geschickt. Medizinisches Gerät, Krankenhauszubehör, Krankenbetten, Lebensmittel, Medikamente u.v.m. haben wir auf die entlegensten Dörfer bis hin zum Schwarzen Meer verteilt. Mittlerweile erachtet es der Vereinsvorstand als sinnvoller, gezielt Hilfsprojekte in der Ukraine zu unterstützen. Die an unsere Partnerorganisation übergebenen Geldspenden wurden im Jahr 2015 verwendet für:
Medikamente für schwerkranke Kinder und Erwachsene;
Unterstützung von Dialysepatienten;
Kindererholungsmaßnahmen in der Ukraine für schwerkranke Kinder und deren Betreuer;
finanzielle Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche in Kiew-Desnianski;
finanzielle Unterstützung unserer Partnerorganisation ZEMLYAKI;
Durchführung von Kinderfesten;
u.v.m.

Die ordnungsgemäße Verwendung der an die Partnerorganisation gespendeten Finanzmittel wird mindestens zwei Mal im Jahr von einem unserer Vorstandsmitglieder vor Ort in Kiew überprüft. Hierzu werden alle Kostenbelege vorgelegt und auf Plausibilität im Beisein einer Dolmetscherin geprüft.

Mindestens zwei Mal im Jahr (im Juni und Oktober) halten sich Vorstandsmitglieder unseres Vereines für ca. eine Woche anlässlich unserer Informationsfahrten bei unserer Partnerorganisation auf. In 2015 fanden die 46. Und 47. Informationsfahrt nach Kiew statt. Leider ist die Teilnehmergruppe zur Zeit nicht sehr groß. Ich hoffe aber, dass sich das künftig wieder ändern wird.
Höhepunkt der 47. Informationsfahrt war eine Einladung in das Rathaus der Hauptstadt der Ukraine, verbunden mit einer Führung durch das Haus. Dort konnten sich die deutschen Gäste die Fortschritte der Renovierungsarbeiten in dem riesigen Gebäude anschauen, das während der Unruhen auf dem Maidan im Jahre 2013 im Innenbereich stark verwüstet wurde. Weiterhin zeigte man der Besuchergruppe mit Stolz den neu fertiggestellten Ratssaal für die 120 städtischen Abgeordneten, welcher mit einer neuen elektronischen Anlage für Abstimmungen bestückt wurde. Künftig kann eine Abstimmung nur noch nach Legitimierung durch einen Fingerscanner durchgeführt werden. Vitali Klitschko, ehemaliger Weltmeister im Schwergewichtsboxen und nunmehr Oberbürgermeister der Stadt Kiew bedankte sich mit einer Ehrenurkunde der Staatsverwaltung der Stadt Kiew beim Vorsitzenden des Eicher Hilfsvereines. Die deutsche Übersetzung der Urkunde lieferte er gleich mit:
„Sehr geehrter Herr Rolf Konersmann! Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre vieljährige, wohltätige Hilfe, die Sie den durch Folgen der Tschernobylkatastrophe Betroffenen leisten. Ihre Menschlichkeit, Professionalität und das Streben, das Leben ukrainischer Menschen zu verbessern, verdienen alle Achtung.
Beste Wünsche für Ihre weitere Tätigkeit, Verwirklichung aller guten Vorhaben!
Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko.“

Am 6. November 2015 fand in der Katharinenkirche in Oppenheim eine Benefizgala zugunsten unseres Vereines statt. Die Vorbereitungen zu diesem Event haben ein Jahr in Anspruch genommen. Das „Beethoven Duo“, eines der bedeutendsten Duos der gegenwärtigen klassischen Musik - zwei ehemalige sowjetische Wunderkinder – hatten das Programm zusammengestellt und präsentierten Musik auf Weltniveau. Es war ein stilvoller Abend in der Katharinenkirche.

Im November 2015 habe ich Kontakt zum Auswärtigen Amt in Berlin aufgenommen und mich interessiert für das Programm „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“.
Hierzu habe ich eine Projektskizze zur Einschätzung der Erfolgsaussichten eines Förderantrages aus Mitteln für den Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland erstellt. Es soll ein zweigeteiltes Projekt werden:
Gründung eines „Deutschen Zentrums“ im Bezirk Kiew-Desnianski als Mittelpunkt unserer Arbeit in der Ukraine. Es soll Anlaufstelle für Ukrainer sein,
die Kontakte zu Deutschen bereits unterhalten bzw. künftig unterhalten möchten. Deutschunterricht für Kinder und Jugendliche soll kostenlos angeboten werden.
Dialogveranstaltungsreihe mit Studenten und Professoren der Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew. In diesem Jahr sind vier Veranstaltungen geplant. Als Referent konnte ich Harald Christ gewinnen.
Mit Datum 15. Juni 2016 erhielt ich die Nachricht vom Auswärtigen Amt, dass unser eingereichtes Projekt mit positivem Votum an das Bundesverwaltungsamt zur Bescheidung weitergeleitet wurde.

Leider gab es im Jahr 2015 auch viele traurige Begebenheiten, so mussten wir uns von Julia Bagmut trennen, einer jungen 32-jährigen Mutter von zwei kleinen Kindern, die als Achtjährige bei einer unserer ersten Kindererholungsmaßnahmen nach Flörsheim-Dalsheim zu den Eheleuten Collet kam und bis ihrem Tode wie ein Familienmitglied aufgenommen wurde.
Weiterhin verstarb die fünfjährige Yelysaveta Skoryk im Klinikum in Dortmund, der wir seit zwei Jahren versucht haben zu helfen.
Auch mussten wir uns von unserem Vorstandsmitglied Andreas Schneider trennen, der im 47. Lebensjahr an Krebs verstarb sowie auch von unserem langjährigen Mitglied Eckhard Bühler.
Am 2. Februar 2016 verstarb nach schwerer Krankheit unser langjähriger Mäzen Horst Engelhardt im Alter von 91 Jahren. Horst Engelhardt hatte immer ein offenes Ohr für die Wünsche unseres Vereines. Seine jährlichen Spenden ermöglichten es, Hilfe in diesem Umfange in die Ukraine zu bringen. Wir werden diesen wunderbaren Menschen immer in Erinnerung halten.

Im April 2016 jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 30. Mal. Ich habe an den Gedenkfeierlichkeiten in der Ukraine teilgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Hilfsverein „Tour der Leiden“ konnten wir die Feuerwehr der Stadt Kiew mit einigen neuen Einsatzuniformen sowie über 100 gebrauchten Ausgehuniformen der Feuerwehr Worms ausstatten. Ich habe die Wormser Uniformen dem Vorsitzenden des Hamburger Hilfsvereines Oliver Erhardt nach Hamburg gebracht, von dort hat er diese dann weiter nach Kiew transportiert. Vielen Dank Oliver Erhardt und Karsten Kaukel!
Unser Verein hatte anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten einen Schülerwettbewerb „Rettet unseren Planeten“ unterstützt. Die Ausstellung der von den Schülern erstellten Bilder fand im Bezirksrathaus statt. Ich hatte die Ehre, die Gewinner mit Urkunden und kleinen Preisen beglückwünschen zu dürfen.

Die 48. Informationsfahrt nach Kiew fand vom 3. – 11. Juni 2016 statt. In dieser Zeit haben wir zwei Kinderfeste für Kinder durchgeführt, die schon Invaliden sind.
Auch wurden Gespräche mit Professoren der Universität und dem Vorstand unserer Partnerorganisation zur Vorbereitung unseres Projektes mit dem Auswärtigen Amt geführt.

Am 1. Juli werde ich zu einer Besprechung wegen der geplanten Zusammenarbeit der Kiewer Taras-Schewtschenko-Universität mit der Hochschule Wildau nach Berlin fahren, um Vorgespräche mit dem Rektor der Universität Wildau, Harald Christ sowie einer Abordnung aus Kiew zu führen.

Zum Abschluss meines Jahresberichtes möchte ich mich bei meinen Mitstreitern im Vorstand für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten Jahren bedanken, ein weiterer Dank gilt allen, die unsere Arbeit unterstützt haben sowie unseren Mitgliedern.

Rolf Konersmann
1. Vorsitzender

Jahresbericht zur Mitgliederversammlung 2015

Bericht des 1. Vorsitzenden

Auch im Jahr 2014 hielt uns die unsichere politische Lage in der Ostukraine in Atem.
Andere Hilfsorganisationen, wie z.B. die Stiftung des Landes Niedersachsen "Kinder von Tschernobyl", veröffentlichten den Reisebericht zur jährlichen Delegationsreise 2014 in die Ukraine wie folgt:
"Dr. med. Gisbert Voigt, Vorsitzender des Kuratoriums und stv. Präsident der Ärztekammer Niedersachsens, bedauert sehr, dass aufgrund der unsicheren politischen Lage in diesem Jahr keine Delegationsreise in die Ukraine durchgeführt werden konnte. In den für die Stiftung zuständigen Ministerien sind inzwischen alle Ansprechpartner abgesetzt worden."

Das ist seit Staatsgründung das Problem der Ukraine, welches ich schon so oft erleben musste: Kommt eine neue Regierung, werden sämtliche Mitarbeiter bis hin in die Kommunen durch neue Leute ersetzt, die auch oft die fachlichen Voraussetzungen nicht einmal erfüllen, doch Loyalität hat den höheren Stellenwert.
Dieses Prinzip gilt nicht nur in der ukrainischen Politik, es gilt auch in der Wirtschaft. Erfolg ist, dass die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes stagniert.
Tschernobyl und Fukushima sind zwei Katastrophen, die menschengemacht sind und unabsehbare Langzeitfolgen haben. Beide Katastrophen haben jedoch auch zu einer einmaligen gewaltfreien Protest- und Solidaritätsbewegung geführt, die es seit 1986 ermöglicht hat, dass über 1 Million Kinder aus verstrahlten Regionen Familienkontakte in westeuropäischen Ländern gefunden und diese besucht haben.
Weiterhin wurde inzwischen die Notwendigkeit einer nachhaltigen Umgestaltung der Industriegesellschaften von breiten Bevölkerungskreisen und den politisch Verantwortlichen in der Politik, den Kirchen und den Gesellschaften gesehen.

SOS '86 - Kinder von Tschernobyl e.V. hat die für 2014 geplanten Maßnahmen durchführen können.
Lediglich eine von unserem Sponsor, der Horst und Eva-Engelhardt Stiftung, gewünschte Maßnahme, musste storniert werden.
Horst Engelhardt hatte mich im Januar 2014 gebeten, eine Folkloregruppe aus der Ukraine für den Zeitraum 24.03. bis 31.03.2014 nach Deutschland einzuladen und hier zu betreuen. Ich hatte alle Vorbereitungen für 25 Personen zwischen 18 und 65 Jahren getroffen (Verpflichtungserklärung, Unterkunft in Deutschland, Programm in Deutschland sowie Flugkarten von Kiew nach Dortmund mit der WIZZAIR). Leider stellte die Leiterin der Gruppe dann Forderungen:
1. Der Flug muss von Kiew nach Frankfurt und zurück gebucht werden;
2. es darf nur mit einer Fluggesellschaft geflogen werden, die die Reisenden während des 2 ¼ stündigen Fluges verpflegt.
Horst Engelhardt war ob dieser Forderungen so verärgert, dass er die Einladung der Gruppe sofort zurückzog und ich alles wieder stornieren musste.

Vom 6. Juni 2014 bis zum 13. Juni 2014 unternahmen wir dann unsere 44. Informationsreise nach Kiew. Leider bestand die Gruppe nur aus drei Personen. Vom Vorstand reisten Andreas Schneider und ich sowie als Nichtmitglied Dieter Wittkowski mit. Erwähnenswert ist, dass die Reisekosten von den Teilnehmern allein getragen werden.
Für unseren Vorstand sind die halbjährlichen Informationsfahrten aus verschiedenen Gründen wichtige Maßnahmen:
1. Der Kontakt zur ukrainischen Partnerorganisation wird gefestigt;
2. der Kontakt zur Bezirksregierung wird aufrecht   erhalten. Das ist wichtig, da - wie ich es bereits vorhin erwähnt habe - die Bezirksbürgermeister häufig ausgetauscht werden (in den letzten zwei Jahren lernte ich drei neue Bürgermeister kennen, was die Verwaltung aber keinen Schritt weiter brachte);
3. die Besuche haben auch Kontrollfunktionen. Wurden die abgesprochenen Maßnahmen von der ukrainischen Partnerorganisation eingehalten? Stimmen die Abrechnungsbelege usw.

Vom 29. Juli bis 19. August fand die 43. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme statt.
Auch hier war die Resonanz klein. Wir konnten leider nur sieben Personen am Flughafen begrüßen.
Trotz der kleinen Gruppe waren es wieder ereignisreiche drei Wochen für unsere Gäste.

Die 45. Informationsfahrt nach Kiew fand vom 10. Oktober bis zum 17. Oktober 2014 statt. Es war eine Reise in zwei Welten. Auf der einen Seite wurden wir konfrontiert mit den Verwüstungen rund um den Maidan, den Zelten der Kämpfer, den aufgerissenen Bürgersteigen, beschädigten Häusern   usw., und auf der anderen Seite den schönen, gepflegten Villen der Abgeordneten bis hin zum 80 ha großen Park des geflüchteten Expräsidenten Viktor Janukowitsch - und dazwischen die Bürger mit ihren Existenzproblemen und die Flüchtlinge aus dem Donbass, die wir besuchten und denen wir Lebensmittel und überlebensnotwendige Dinge spendeten.
Und dann noch Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen für schwerbehinderte Jugendliche, eine Reise zwischen Gut und Böse.
Dr. Voigt beschrieb tief beeindruckt den Zustand der von ihm   in 2013 besuchten Krankenhäuser im Newsletter Dezember 2013 der Stiftung "Kinder von Tschernobyl" wie folgt:
"So schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt! Der bauliche Zustand der besuchten Krankenhäuser ist bedrückend und deren medizinische Ausstattung sowie die hygienischen Zustände fragwürdig".
Diese Krankenhäuser liegen in einem Umkreis von max. 150 km um die Hauptstadt Kiew herum. Besonders im ländlichen Bereich gibt es häufig auf 50.000 Einwohner nur ein Ultraschallgerät, und diese Geräte stammen meist aus deutschen Spenden aus den 90er Jahren und sind heute technisch veraltet." Auch wir hatten in dieser Zeit bis zum Jahre 2000 zahlreiche Ultraschall-, Röntgengeräte usw. als medizinische Unterstützung in die Ukraine transportiert.
Das Gesundheitssystem der Ukraine soll in den nächsten Jahren umgebaut und nach deutschem Vorbild ein "Hausärztesystem" entstehen. Ich hoffe, dass die Bevölkerung der Ukraine damit besser fährt und die Privatärzte dann auch bezahlen kann.

Eine Einladung vom ukrainischen Generalkonsulat in Frankfurt und der ukrainischen Botschaft in Berlin zum Tag der Selbstständigkeit der Ukraine erfolgte nicht. Wahrscheinlich wurde diese Veranstaltung in 2014 nicht ausgeführt.

Ende November 2014 fand dann - wie in jedem Jahr - die Spendenübergabe im Hause unseres Sponsors Horst Engelhardt statt.
Für seine jahrelange Unterstützung unserer Arbeit bedanke ich mich an dieser Stelle.

Seit zwei Jahren arbeiten wir mit unserer neuen Partnerorganisation
ZEMLYAKI "Landsleute" zusammen. Es ist die älteste in Kiew existierende Hilfsorganisation für Menschen, die von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigt sind. Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen. Vorstand und Mitarbeiter in dieser Organisation sind vertrauenswürdig. Mit Unterstützung der "Landsleute" haben wir im Jahre 2014 die zweite Erholungsmaßnahme für vier schwerbehinderte Kinder in Begleitung ihrer Mütter in einem Sanatorium am Schwarzen Meer in der Ukraine durchgeführt und vielen hilfsbedürftigen Mitgliedern mit Medikamentenspenden geholfen.

Im Jahr 2014 haben wie neben den üblichen Hilfen in der Ukraine zwei größere Hilfsersuchen unterstützt:

1. Julia Bagmut
Julia Bagmut war eines unserer ersten Tschernobyl-Kinder, das von den Eheleuten Collet nach Flörsheim-Dalsheim eingeladen wurde. Julia war damals acht Jahre alt. Der Kontakt zu den Gasteltern bestand noch bis heute.
Im Jahre 2013 stellte sich bei Julia, mittlerweile 32 Jahre alt und Mutter zweier kleiner Kinder, Brustkrebs heraus. Sie musste dringend in Kiew operiert werden.
Die Eheleute Collet wollten helfen und baten unseren Verein um Unterstützung. Ich stellte den Kontakt zum Klinikum her, das uns kostenlos unterstützte.
Eine Gewebeprobe wurde im Klinikum Worms untersucht und Julia bekam einen persönlichen Untersuchungstermin bei Prof. Hitschold.
Dieser bestätigte die ausgezeichnete chirurgische Arbeit der ukrainischen Ärzte. Prof. Hitschold bezeichnete es aber als völlig unzureichend, dass die ukrainischen Mediziner auf eine Immuntherapie verzichteten, die das Wiedererkrankungsrisiko nach seiner Aussage um 50% senken würde.
Da diese Immuntherapie über ein Jahr angewendet werden muss und Kosten in Höhe von ca. 70.000 EUR entstehen, haben die Eheleute Collet sowie auch wir über den Hersteller Roche Pharma AG versucht, das Medikament Herceptin für Julia preisgünstiger zu erhalten. Leider wurde dem nicht entsprochen.
Die Eheleute Collet unterstützten Julia in 2014 mit über 40.000 EUR, wir konnten von Horst Engelhardt 10.000 EUR beisteuern, die er mir zweckgebunden für Julia an seinem 90. Geburtstag überreichte.
Leider waren die ganzen Bemühungen, Julia Bagmuts Leben zu retten, erfolglos. Sie verstarb im Mai 2015. Für die Eheleute Collet war es sehr hilfreich, dass sie an der 40-Tagefeier in der Nähe von Borispol teilnehmen und sich so von Ihrem Gastkind Julia verabschieden konnten. Julias Familie hat Collets gebeten, ihren Dank an unseren Verein auszusprechen und mich, dieses weiterzugeben. Collets haben sich für heute Abend bei mir abgemeldet, da sie sich im Urlaub im Ausland befinden.

2. Yelysaveta Skoryk
Die Familie von Yelysaveta Skoryk bat uns um Hilfe für das fünfjährige Kind, das an einem schweren Gehirntumor erkrankt war und in der Ukraine operiert werden musste. Die Eltern waren sehr aktiv und suchten für die Nachbehandlung eine Klinik in Deutschland, da diese in der Ukraine nicht möglich ist. Das Klinikum in Dortmund konnte die Nachbehandlung durchführen, stellte aber einen Kostenvoranschlag in Höhe von 125.000 EUR aus. Da die Eltern mit Mühe und Not 30.000 EUR aufbringen konnten, habe ich mich an den Oberbürgermeister Sierau meiner Geburtsstadt   Dortmund in seiner Eigenschaft als
Verwaltungsratsvorsitzender des Klinikums mit der Bitte gewandt, den Kostenvoranschlag nochmals überprüfen zu lassen.
Am 7. Februar 2014 schrieb mir Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, dass mit 50.000 EUR die entstandenen Kosten gedeckt seien. Zu den 30.000 EUR der Eltern hat die Stiftung "BILD hilft" weitere 20.000 EUR gespendet.
Yelysaveta wurde bis Mitte 2015 in Dortmund behandelt, ist aber dann auch leider verstorben.

Ab Februar 2014 mussten wir organisatorisch die neuen SEPA-Standards für den Zahlungsverkehr beachten. Das führte dazu, unser Vereinsverwaltungsprogramm komplett durch ein neues Programm zu ersetzen.

Seit dem Jahr 2013 arbeiten wir in Verbindung mit dem Beethoven-Duo an einem Benefizkonzert für unseren Verein. Dieses sollte im Jahre 2014 im Rahmen einer "ukrainischen Woche", ausgerichtet von der Stadt Hamburg, in Hamburg stattfinden. Leider wurde wegen der anfangs erwähnten Auseinandersetzungen in der Ostukraine dieses Vorhaben abgesagt. Zurzeit ist geplant, dieses Benefizkonzert als Friedenskonzert am 6. November 2015 in der Katharinenkirche in Oppenheim stattfinden zu lassen mit einem großen Orchester, deren Musiker zur einen Hälfte aus der Ukraine und zur anderen Hälfte aus Russland kommen.

Das waren meine Ausführungen zum Geschäftsjahr 2014. Last not least möchte ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand recht herzlich für ihre Unterstützung bedanken.
Ein besonderer Dank geht an unseren Hauptsponsor, der Horst und Eva-Engelhardt-Stiftung in Mannheim, namentlich an Herrn Horst Engelhardt. Weiterhin bedanke ich mich bei der Josef-Hagedorn-Stiftung in Hamburg, bei meinem Schwager Dipl.-Kfm. Franz-Josef Hagedorn, der unseren Verein auch schon seit Jahren unterstützt.
Der größte Dank gebührt aber unseren Mitgliedern und Freunden.

Ich hoffe, dass wir unsere humanitäre Hilfe auch in Zukunft weiter leisten können - unsere ukrainischen Freunde benötigen sie weiterhin noch dringender als in der Vergangenheit. Sie sind es uns wert. Diese Hilfe soll auch in Zukunft ein kleiner Baustein sein am Bau eines gemeinsamen, friedlichen europäischen Haus.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

67575 Eich, 31. Juli 2015

Rolf Konersmann

Jahresbericht zur Mitgliederversammlung 2014

  • Zusammenarbeit mit der ukrainischen Partnerorganisation.

Seit dem Jahre 2012 arbeiten wir mit der Selbsthilfeorganisation "Semljaki" in Kiew zusammen. "Semljaki" heißt "Landsleute". Gegründet wurde diese Organisation bereits im Jahre 1987; sie ist somit die älteste humanitäre Organisation in Kiew, die sich um die von der Tschernobylkatastrophe geschädigten Menschen - von Kindern bis zu Invaliden- kümmert. Ehrenamtliche Mitarbeiter aus der alten Heimat um den Reaktor in Tschernobyl helfen auch heute noch ihren Vereinsmitgliedern bei Behördengängen und Eingaben und insbesondere bei medizinischen Problemen. Sie versorgen ihre Mitglieder mit Medikamenten und organisieren Erholungsurlaube im eigenen Land insbesondere für schwerbehinderte Kinder sowie Familien- und Kindererholungsurlaube in Deutschland. Bei diesen Projekten unterstützt unser Verein seit nunmehr zwei Jahren die "Landsleute". Beheimatet sind sie in den kürzlich renovierten Räumen einer ehemaligen Bibliothek. Die Finanzabrechnung unserer Geldspenden erfolgt sehr korrekt bis auf die letzte Hrywna.

  • Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung

Seit Jahren besteht enger Kontakt zum stv. Bürgermeister Gotha des Desnianskij-Bezirkes. Dieser Stadtbezirk von Kiew beherbergt 357.000 Einwohner. Bedingt durch die derzeitige politische Lage wurden bereits vier Bürgermeister in diesem Bezirk eingesetzt, die arbeitsmäßig alle andere Schwerpunkte gesetzt haben. Das bedeutet natürlich keine Kontinuität für die Bürgeranliegen.

  • Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft in Kiew

Unser Vorstand hält den Kontakt zur Visastelle des Konsulats. Jedes Jahr erfolgt ein Besuch bei der Leitung der Visastelle, um evtl. Neuerungen bei Visabeantragungen direkt vor Ort besprechen zu können. Bei Beantragung von Visa für Einzelpersonen bzw. Gruppen gab es dank dieses engen Kontaktes in den letzten zehn Jahren keine Probleme mehr.

  • Zusammenarbeit mit dem Familienministerium der Ukraine

Diese Zusammenarbeit gestaltet sich nach wie vor schwierig, da sich in der Ukraine häufig Gesetze ändern.

  • Unsere Hilfsprojekte

Wie ich in meinen Ausführungen zur letztjährigen Mitgliederversammlung mitgeteilt habe, hatte ich die Hoffnung nach der Tschernobyl-Katastrophe, dass die Folgen des Reaktorunglücks nach spätestens 10 Jahren überwunden sein werden. Zu den Gründen, warum dieses nicht gelungen ist, zeichnete sich bereits im Jahre 2013 ein weiterer schwerwiegender Grund ab: Die EU und Russland wollten die Ukraine über Wirtschaftsabkommen an sich binden. Der damalige Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch pokerte. Die EU wollte unbedingt, das schon ausgehandelte Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abschließen; Russland wollte die Ukraine in ein Freihandelsabkommen mit Weißrussland und Kasachstan einbinden. Mir ist es unverständlich, warum die EU verlangte, sich nur für eines dieser beiden Abkommen zu entscheiden. Warum kann ein Staat nicht Verträge mit mehreren Partnern schließen? M.E. war diese "Entweder oder" der Grund für die derzeitig schwierige Situation der Ukraine. Der für normale Sterbliche undurchsichtige Propagandakrieg von beiden Seiten erzeugt selbst in russisch-ukrainischen Familien viel Unruhe.

Seit 1991 leistet "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V. humanitäre Hilfe für Kinder und Familien der Ukraine, die von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen sind:

78 Hilfsgütertransporte mit Kleidung, Medikamenten, medizinischem Gerät usw. wurden durch uns nach Kiew transportiert. Leider mussten wir dieses Projekt einstellen, da wir uns nicht mehr in der Lage sahen, die Zollvorschriften zu erfüllen.

In letzter Zeit häufen sich Bitten um Winterhilfe für Flüchtlingsfamilien, die aus dem umkämpften Donezbecken nach Kiew gekommen sind und sich ihr Eigentum auf das beschränkt, was sie am Körper tragen.

43 Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen in Deutschland wurden mittlerweile durchgeführt. Leider finden sich immer weniger deutsche Gastgeberfamilien, die bereit sind, ein ukrainisches Kind aufzunehmen, so dass häufig nur noch die selben Personen zu einem Erholungsurlaub nach Deutschland kommen. Im Jahr 2013 konnten wir eine 12köpfige Gruppe begrüßen.

1 Kindererholungsmaßnahme mit Betreuern am Schwarzen Meer im Jahre 2013 für schwerbehinderte Kinder, die nicht nach Deutschland eingeladen werden können. Dieses Projekt werden wir auch im Jahre 2015 durchführen.

43 Informationsfahrten in die Ukraine

Seit einigen Jahren fahren wir nicht mehr mit dem Bus in die Ukraine, da die Kosten für Flüge günstiger sind.

Auch hier zeichnete sich in den letzten Jahren ab, dass die Nachfrage geringer wurde. Diese Informationsfahrten, die zwei Mal jährlich stattfinden, sind sehr wichtig, um den Kontakt zu den ukrainischen Familien und Behörden aufrecht zu erhalten.

Finanzielle Unterstützung für ukrainische Organisationen und bedürftige Privatpersonen insbesondere, um Medikamente zu kaufen und Operationen zu bezuschussen. Im Juni 2013 unterstützen wir die Arbeit eines Heimes in Kiew, in dem Kinder und Jugendliche mit Bewegungseinschränkungen betreut werden.

Medizinische Hilfe für Privatpersonen

Viele freundschaftliche Kontakte

Das und vieles mehr ist die Bilanz unserer Tätigkeit seit dem Jahre 1992.

Im Jahre 2013 wurden wir weiterhin von der Horst und Eva Engelhardt-Stiftung aus Mannheim sowie der Josef Hagedorn Stiftung aus Hamburg finanziell unterstützt. Eine weitere größere Spende erhielten wir vom Verein für studentische Kulturförderung e.V., Worms. €¦

Vielen Dank für die großzügige Unterstützung.

Anlässlich des Tages der Selbstständigkeit der Ukraine sprach uns der damalige Botschafter der Ukraine, Pavlo Klimkin, seinen Dank aus für unsere jahrelange Arbeit der Ukraine. Er überreichte dem 1. Vorsitzenden im Auftrage des Präsidenten der Ukraine den Verdienstorden 3. Grades der Ukraine.

Vorbereitungen für die neuen EU-Richtlinien den Zahlungsverkehr betreffend mussten im Jahr 2013 getroffen werden. Mit der Einführung der neuen SEPA-Standards mussten wir ein neues Vereinsprogramm kaufen und unseren Mitgliedern schriftlich mitteilen, von welchen Konten künftig der Mitgliedsbeitrag eingezogen wird usw.

Leider ist durch die politische Situation die schon weitestgehend geplante ukrainische Woche in Hamburg nicht durchgeführt worden. Somit ist auch das geplante Benefizkonzert für unseren Verein ins Wasser gefallen. Aber ich hoffe, dass dieses nur aufgeschoben ist.

Das waren meine Ausführungen zum Geschäftsjahr 2013. Zum Ende meiner Rede möchte ich mich bei meinen Mitstreitern im Vorstand recht herzlich für ihre vertrauensvolle Unterstützung bedanken.

Bedankt habe ich mich bereits bei unseren Sponsoren.

Ein großer Dank gebührt aber auch Ihnen - unseren Mitgliedern und Freunden des Vereines.

Ich hoffe, dass wir unsere humanitäre Hilfe auch zukünftig noch leisten können - unsere ukrainischen Freunde benötigen sie zur Zeit und in Zukunft noch mehr, als wir vor einem Jahr gedacht haben.

Unser kleiner Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses muss weiter gehen.

 

 

SOS '86 - Kinder von Tschernobyl e.V.

 

EINLADUNG ZUR MITGLIEDERVERSAMMLUNG 2014

AM FREITAG, DEN 24. OKTOBER 2014

 

Ort: Landgasthof Lütje Hörn

Goethestr.

67575 Eich

Tel.: 06246 / 99880

Beginn: 19.30 Uhr

 

Sehr geehrte Mitglieder,

hiermit lade ich Sie frist- und formgerecht zu unserer diesjährigen Mitgliederversammlung ein.

 

TAGESORDNUNG

 

TOP 1 Begrüßung

TOP 2 Gedenken an die verstorbenen Mitglieder

TOP 3 Bericht des 1. Vorsitzenden

TOP 4 Bericht des Kassenwartes

TOP 5 Bericht der Kassenprüfer

TOP 6 Aussprache zu den Berichten

TOP 7 Entlastung des Vorstandes

TOP 8 Wahl eines Wahlleiters

TOP 9 Neuwahlen

  • 1. Vorsitzender

  • 2. Vorsitzender

  • Kassenwart

  • Schriftführer

  • Beisitzer (mind. 3)

  • Kassenprüfer (2 + 1 Ersatzprüfer/in)

TOP 10 Anträge von Mitgliedern

Anträge von Mitgliedern können in schriftlicher Form bis spätestens

17. Okt. 2014 beim 1. Vorsitzenden des Vereines, Herrn Rolf Konersmann,

Nibelungenring 14, 67575 Eich gestellt werden.

TOP 11 Verschiedenes

 

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Konersmann, 1. Vorsitzender