SOS `86 Kinder von Tschernobyl e.V.

Auswärtiges Amt fördert zweigeteiltes Projekt des Eicher Vereins in der Ukraine

EICH. Gute Nachrichten für den Eicher Verein „SOS ‘86 - Kinder von Tschernobyl“. Das Auswärtige Amt fördert mit rund 14 000 Euro das in diesem Jahr gestartete, zweigeteilte Projekt des Vereins. In Kiew entstand ein deutsches Zentrum als Mittelpunkt der Vereinstätigkeit in der Ukraine. Dort erhalten unter anderem Jugendliche Unterricht in der deutschen Sprache. Außerdem begann im September eine Diskussionsveranstaltungsreihe mit Studenten der Taras-Shevchenko-Universität in der Ukraine. Vereinsvorsitzender Rolf Konersmann erzählt im Gespräch, wie aktuell die Reaktorkatastrophe von 1986 ist und was der Verein alles leistet.

INTERVIEW

Herr Konersmann, was bedeutet das für Sie, dass ihre Projekte weiterhin gefördert werden?

Seitdem sich unser Verein mit Hilfe für die Ukraine engagiert, habe ich immer zum Ausdruck gebracht, dass das unser kleiner Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses sein soll. Denn wir Deutschen müssen der Ukraine helfen, den Weg nach Europa zu beschreiten. Eine weitere Förderung für diese Arbeit ist für uns dringend erforderlich.

Was kostet das Projekt und wie hoch ist die Fördersumme?

Im Jahr 2016 war das durchgeführte Projekt mit rund 20 000 Euro veranschlagt, 6000 Euro hat unser Verein aus Eigenmitteln aufgebracht. Natürlich hoffen wir, dass wir auch für 2017 gefördert werden, zudem sind wir auf Spender angewiesen, die uns unterstützen.

Der Name Ihres Vereins erinnert an eine Katastrophe, die 30 Jahre zurückliegt. Wie aktuell ist Tschernobyl denn heute?

Tschernobyl ist heute in Deutschland bei all den Katastrophen in der Welt nicht mehr aktuell. Für die Ukraine ist aber die Tschernobyl-Hilfe nötiger denn je. Unser Vereinsname entstand im Jahre 1991, fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe. Damals wollten wir zunächst den Kindern und Familien helfen, die von der Katastrophe betroffen waren. Mittlerweile bieten wir nicht nur Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen an, sondern führen auch Informationsreisen in der Ukraine durch. Wir arbeiten zudem mit einer Partnerorganisation in Kiew zusammen, die wir mit Medikamenten unterstützen.

Je weiter die Katastrophe zurückliegt, umso mehr gerät sie in Vergessenheit.Wie kann man Ihrer Ansicht nach dieser Entwicklung entgegenwirken?

Es ist schwierig, heute noch die deutsche Bevölkerung für das Thema Tschernobyl zu sensibilisieren. Aber Tschernobyl steht heute nicht nur für die Beseitigung der Folgen der Reaktorkatastrophe. Es steht auch dafür, Unterstützung für die Zivilgesellschaft der Ukraine für mehr Demokratie und Lebensqualität ins Land zu bringen. Wie gesagt, einfach ist es nicht, gegen das Vergessen anzukämpfen. Nur wer die Ukraine bereist und selbst erfahren hat, wie zerrissen dieses schöne Land ist, oder Kontakte in die Ukraine hat, wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen.

Im kommenden Jahr feiert Ihr Verein 25-jähriges Bestehen. Was ist geplant?

Die Planung für unser 25-jähriges Bestehen beginnt bei unserer nächsten Vorstandssitzung, die am Freitag, 2. Dezember, abgehalten wird. Hier wird von den Teilnehmern dann auch der Grundstein für das Jubiläumsjahr gelegt. Selbstverständlich ist auch eine Jubiläumsveranstaltung Ende September 2017 vorgesehen.

Welche Änderungen sind innerhalb des Vereins geplant?

Geplant ist, dass bei der Mitgliederversammlung im Jahr 2018 eine Entscheidung über eine Änderung des Vereinsnamens getroffen wird. Der neue Vereinsname soll dann den Vereinszweck und die Zielsetzung des Vereines ganz deutlich machen, mehr als es bisher der Fall ist.

Das Interview führte Ali Reza Houshami (Wormser Zeitung vom 23.11.2016).

Freuen sich über die finanzielle Unterstützung durch das Auswärtige Amt:

Rolf Konersmann (r.)‚ Vorsitzender des Vereins „SOS '86 - Kinder von Tschernobyl", und Harald Christ, Vorstandsvorsitzender der ERGO Beratung und Vertrieb AG sowie Mitbegründer des Eicher Vereins. Foto: Konersmann